ESTRO 2019 – Totale neoadjuvante Therapie für Patienten mit lokal fortgeschrittenem Rektalkarzinom: Welches ist die bessere Behandlungsabfolge?


  • Elena Riboldi — Agenzia Zoe
  • Univadis
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Erkenntnis

  • Mehr Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Rektalkarzinom verzeichnen unter einer totalen neoadjuvanten Therapie (TNT) ein pathologisch komplettes Ansprechen (pCR), wenn die präoperative Radiochemotherapie (RCT) vor der Chemotherapie (CT) verabreicht wird statt umgekehrt.

Warum das wichtig ist

  • Die optimale Ablaufplanung der präoperativen RCT und CT wurde noch nicht festgelegt.
  • Dies ist die erste Studie zu Sicherheit und Wirksamkeit der TNT-Abfolge.
  • Ergebnisse aus dieser Studie führten zur Auswahl der TNT-Abfolge, die in einer weiteren Studie der Phase III mit der präoperativen Standard-RCT verglichen wird.

 

Studiendesign

  • In die multizentrische Studie CAO/ARO/AIO-12 der Phase II, welche die Auswahl der besten Behandlungsabfolge zum Ziel hatte, wurden 311 Patienten mit einem Rektalkarzinom im Stadium II–III aufgenommen.
  • Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip entweder zuerst einer CT vor der RCT (Gruppe A) oder einer CT zur Konsolidierung nach der RCT (Gruppe B) unterzogen.
  • Die RCT bestand aus 50,4 Gy (28 Fraktionen) sowie Infusionen mit 5-Fluorouracil (5-FU) und Oxaliplatin.
  • Die CT bestand aus Oxaliplatin (Ox), Leucovorin und 5-FU-Infusionen (3 Zyklen).
  • In beiden Gruppen war der operative Eingriff in Woche 18 vorgesehen.
  • Der primäre Endpunkt war das pCR.

 

Wesentliche Ergebnisse

  • Die Therapietreue während der RCT war höher in Gruppe B: Die volle Dosis RT, 5-FU und Ox wurde 91, 78 bzw. 76 Prozent der Patienten in Gruppe A und 97, 87 bzw. 93 Prozent der Patienten in Gruppe B verabreicht.
  • Die Therapietreue während der CT war höher in Gruppe A: 92 Prozent der Patienten in Gruppe A und 85 Prozent in Gruppe B schlossen die drei Zyklen mit Ox ab.
  • RCT-bedingte Toxizitäten mit Schweregrad 3–4 waren geringer in Gruppe B (37 % gegenüber 27 %), CT-bedingte Toxizitäten mit Schweregrad 3–4 beliefen sich auf 22 Prozent in beiden Gruppen.
  • In der Intention-to-Treat-Population kam es bei 17 Prozent (95 %-KI: 12 %–24 %) in Gruppe A und bei 25 Prozent (95 %-KI: 18 %–32 %) in Gruppe B zu einem pCR.
  • Nur Gruppe B (p = 0,0002), aber nicht Gruppe A (p = 0,210) erfüllte die vorher festgelegte statistische Hypothese, wonach eine TNT die pCR-Rate von 15 Prozent (der nach Standard-RCT erwartbare Wert) auf 25 Prozent steigern kann.