ESTRO 2019 – Radikale Radiotherapie am Hemithorax: Ein neuer Behandlungsstandard für das maligne Pleuramesotheliom?


  • Cristina Ferrario — Agenzia Zoe
  • Univadis
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Erkenntnis

  • Eine radikale Radiotherapie am Hemithorax (RRH) ergibt beinahe doppelt so hohe Überlebenschancen für Patienten mit einem malignen Pleuramesotheliom (MPM), die mit einer nicht radikalen, lungenschonenden Operation und einer Chemotherapie behandelt wurden.
  • Die Toxizität ist zwar nicht unbedeutend, aber noch annehmbar.

Warum das wichtig ist

  • Es besteht dringender Bedarf an wirkungsvollen Behandlungsmöglichkeiten für Mesotheliompatienten.

Studiendesign

  • 108 Patienten (mittleres Alter: 70; 92,4 % Männer) mit einem MPM wurden aufgenommen und nach Randomisierung entweder einer palliativen Radiotherapie (RT) (Arm A, n = 53) oder einer RRH (Arm B, n = 55) zugewiesen.
  • Die Patienten in Arm A erhielten eine RT-Behandlung mit 21 Gy in 3 Fraktionen an der Narbe von der Thorakotomie und/oder 20–30 Gy in 5–10 Fraktionen an der Resterkrankung.
  • Die Patienten in Arm B erhielten eine RT (50 Gy / 25 Fraktionen) am gesamten Hemithorax unter Ausschluss des funktionsfähigen Lungenflügels sowie gleichzeitig einen Boost mit 60 Gy an Bereichen mit erkennbarer Erkrankung.
  • Mit der Studie sollte das OS in Arm A und Arm B verglichen werden, und ihr Design sollte eine Verbesserung des OS über zwei Jahre um 25 Prozent (20 % gegenüber 45 %) im RRH-Arm ergeben.

Wesentliche Ergebnisse

  • In der Intention-to-Treat-Analyse verbesserten sich die OS-Raten nach zwei Jahren in der RRH-Gruppe gegenüber der Palliativgruppe wesentlich (57,7 % gegenüber 27,9 %; p laut Log-Rank-Test 
  • Die kumulative Inzidenz von lokoregionären Rezidiven war bei mit RRH behandelten Patienten wesentlich tiefer (Gray-Test, p 
  • Kein signifikanter Unterschied wurde bei der kumulativen Inzidenz von Fernrezidiven beobachtet.
  • Die Nebenwirkungen der RRH-Behandlung waren mehrheitlich von Schweregrad 2 und umfassten Pneumonitis, Schwäche, Übelkeit und leichte Entzündungen der Speiseröhre.
  • Ermüdung wurde bei 16 (29 %) Patienten in der RRH-Gruppe festgestellt.

Einschränkungen

  • Es handelt sich um eine monozentrische Studie an einer beschränkten Anzahl Patienten.

Expertenkommentar

„Dies ist ein extrem positives Ergebnis, das gute Nachrichten für Patienten mit dieser seltenen und schwer behandelbaren Krebserkrankung bereithält“, sagte Umberto Ricardi, ESTRO-Präsident und Leiter der Abteilung für Onkologie an der Universität Turin, Italien.