ESTRO 2019 – Konsolidierende Radiotherapie für ein fortgeschrittenes Lymphom: In einer weiterhin offenen Debatte zeichnen sich mögliche Vorteile ab


  • Cristina Ferrario — Agenzia Zoe
  • Univadis
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Erkenntnis

  • Bei Patienten mit einem fortgeschrittenen voluminösen Hodgkin-Lymphom (HL), bei denen sich nach sechs Zyklen mit ABVD (Doxorubicin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin) ein komplettes metabolisches Ansprechen (mCR) ergeben hat, könnte das progressionsfreie Überleben (PFS) durch eine konsolidierende Radiotherapie (RT) verbessert werden.
  • Diese Ergebnisse leisten keinen endgültigen Beweis für die Rolle der RT in dieser Situation.

Warum das wichtig ist

  • Die Aufnahme einer RT zur Chemotherapie bei Patienten mit einem fortgeschrittenen voluminösen HL wird weiterhin diskutiert und hängt von dem eingesetzten Chemotherapieschema und vom metabolischen Ansprechen darauf ab.
  • Der Einsatz von RT im Zeitalter der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) nach einer Behandlung mit ABVD ist unzureichend definiert.

Studiendesign

  • Der randomisierte Teil in Phase III der Studie HD0801 der italienischen Lymphomstiftung umfasste 355 Patienten mit negativem PET-Befund nach sechs ABVD-Zyklen.
  • Von diesen hatten 116 voluminöse Läsionen (maximaler Durchmesser: > 5 cm) zur Baseline, worauf sie randomisiert und entweder einer RT oder keiner weiteren Behandlung (KWB) unterzogen wurden.

Wesentliche Ergebnisse

  • Der mittlere Durchmesser der voluminösen Läsionen war in der RT- und der KWB-Gruppe ähnlich.
  • In der Intention-to-Treat-Analyse war das PFS zwischen der RT- und der KWB-Gruppe nach drei Jahren (86 % gegenüber 85,8 %; p = 0,71) und nach fünf Jahren (83,7 % gegenüber 85,8 %) ähnlich.
  • Die Per-Prüfplan-Analyse ergab eine Verbesserung des PFS um 10,3 Prozent nach drei Jahren (91,7 % gegenüber 81,5 %) sowie um 7,5 Prozent nach fünf Jahren (88,9 % gegenüber 81,4 %) in der RT-Gruppe gegenüber der KWB-Gruppe.
  • Statistische Signifikanz wurde in der Per-Prüfplan-Analyse nicht erreicht (p = 0,24).
  • Die Untergruppenanalyse nach unterschiedlicher Tumorgröße ergab keine Möglichkeit zur Feststellung eines optimalen Grenzwerts zur Vorhersage des PFS.

Einschränkungen

  • Kleine Stichprobe und begrenzte Anzahl von Ereignissen.

Finanzierung 

  • Italienische Lymphomstiftung.

Expertenkommentar

„Die Ergebnisse dieser Studie liefern uns zusätzliche wichtige Informationen, die zu berücksichtigen sind, wenn wir unsere Patienten über die möglicherweise beste Behandlung aufklären“, so Yolande Lievens ehemalige Präsidentin von ESTRO und Leiterin der Abteilung für Strahlenonkologie am Universitätsklinikum von Gent in Belgien.