ESTRO 2019 – Expertenkommentar: Gegenwart und Zukunft der Kombination von Immun-Checkpoint-Inhibitoren mit Radiotherapie


  • Elena Riboldi — Agenzia Zoe
  • Univadis
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Kevin Harrington ist Koleiter der Abteilung für Radiotherapie und bildgebende Verfahren am Institute of Cancer Research in der britischen Hauptstadt London. Er ist zudem ein ehrenamtlicher Facharzt für klinische Onkologie am Royal Marsden NHS Foundation Trust. Seine Arbeit ist auf Immuntherapie mit onkolytischen Viren und auf gezielte Strahlensensibilisierer fokussiert.

  • Die Situation, in der wir uns derzeit befinden, ist so, dass wir über viele anekdotische Daten zur Kombination von Immun-Checkpoint-Inhibitoren mit Radiotherapie verfügen. Wir haben immer mehr Daten von großen Patientenreihen, wobei die Patienten prospektiv in Studien aufgenommen und vielfach nicht randomisiert werden.
  • Wir verfügen über Anzeichen dafür, dass die Kombination eines Immun-Checkpoint-Inhibitors (zur Blockierung von CTLA-4 sowie PD-1/PD-L1) auf gute Weise mit der Bestrahlung interagieren könnte, um gegen einen Tumor gerichtete Immunreaktionen auszulösen, aber wir haben noch keine klaren Hinweise aus randomisierten Studien, dass dies die Art und Weise ist, wie wir vorgehen sollten.
  • Überdies kennen wir die optimalen Schemata zur Fraktionierung der Dosen noch nicht.
  • Bis wir über jene Daten verfügen, muss dieses Vorgehen als experimentell betrachtet und nur im Rahmen von klinischen Studien durchgeführt werden.
  • Es gibt reichlich vorläufige Daten, die darauf hindeuten, dass dies ein sehr fruchtbarer Forschungsweg werden dürfte, und ich glaube, dass die Kombination von Immun-Checkpoint-Inhibitoren mit Bestrahlung oder mit einer Radiochemotherapie in Zukunft zu einer neuen Standardbehandlung bei verschiedenen Tumorarten werden könnte, aber wir müssen die Daten aus randomisierten Studien abwarten, bevor wir zu diesem Schluss kommen können.
  • Die Kenntnis der biologischen Vorgänge ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen klinischen Umsetzung. In den letzten Jahren haben wir zahlreiche Einzelheiten zu den biologischen Auswirkungen von Strahlung auf Tumor- und gesunde Zellen erkannt. Wir haben insbesondere einen viel größeren Durchblick erreicht, was die Bedeutung der molekularen Reaktionen auf DNA-Schädigungen und ihre Wechselwirkungen mit immunerkennenden Mechanismen in der Zelle betrifft.
  • Die Freisetzung von zytoplasmatischer DNA infolge von Bestrahlung scheint ein ganz wichtiger Auslöser für Typ-I-Interferon-Reaktionen zu sein, die Anti-Tumor-Reaktionen begünstigen können. Zytoplasmatische DNA aktiviert zudem den cGAS-STING-Signalweg, der die Immunogenität absterbender Zellen bestimmen kann. Arzneimittel, die auf die Reparatur von DNA-Schädigungen abzielen oder die auf den zytosolische DNA erkennenden Signalweg sowie auf angeborene Immunaktivatoren einwirken, verfügen alle über das Potenzial, in diese Kombinationsstrategie einzufließen. Sie können immunologisch „kalte“ Tumoren „erwärmen“ und zu Immuninfiltraten führen, die über Fähigkeiten zur Vermittlung von Anti-Tumor-Effekten verfügen.
  • Der Immun-Checkpoint-Inhibitor ist erforderlich, damit eine T-Zelle eine Tumorzelle abtöten kann, denn ohne ihn ist die Tumorzelle in der Lage, die T-Zelle abzuschalten. Diese neuartigen Wirkstoffe verfügen über das Potenzial, die T-Zellen mit größerer Wahrscheinlichkeit zu einem Angriff auf die Tumorzellen zu befähigen und deren Tod immunologisch relevanter zu machen.
  • Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir doppelte und dreifache Kombinationstherapien zusammen mit einer Bestrahlung ausarbeiten können, um solche Immunreaktionen zu verstärken.