ESTRO 2019 – Brachytherapie für lokalisierten Prostatakrebs: Ist eine Einzeldosis ausreichend?


  • Elena Riboldi — Agenzia Zoe
  • Univadis
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Erkenntnis

  • Eine Brachytherapie (BT) mit hoher Dosisleistung (High Dose Rate, HDR), die in einer Einzeldosis von 19 Gy abgegeben wird, ist eine sichere und wirksame Monotherapie bei einem risikoarmen Prostatakarzinom, ist jedoch suboptimal für Patienten mit mittlerem und hohem Risiko, weil ein nicht vernachlässigbares Risiko für ein lokales Rezidiv besteht.

 

Warum das wichtig ist

  • Eine HDR-BT mit Einzelfraktion wäre kostengünstig und für Patienten annehmbarer.

 

Studiendesign

  • Von 2013 bis 2018 wurden 441 Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs im Rahmen eines landesweiten britischen Prüfplans anlässlich einer einzigen Behandlung mit einer HDR-BT mit einer 19 Gy hohen Einzeldosis behandelt.
  • Die Patienten wurden anhand der Klassifizierung nach D’Amico in Gruppen mit niedrigem (n = 44), mittlerem (n = 285) und hohem Risiko (n = 112) eingeteilt.
  • Der primäre Endpunkt war das biochemisch progressionsfreie Überleben (bPFS).
  • Biochemisches Versagen wurde als Anstieg des prostataspezifischen Antigens um ≥ 2 ng/ml über den Tiefstwert nach der BT definiert.

Wesentliche Ergebnisse

  • Die mittlere Nachbeobachtung betrug 26 Monate.
  • Die Raten des biochemisch progressionsfreien Überlebens (bPFS) nach drei Jahren beliefen sich auf 88 Prozent (insgesamt), 100 Prozent (niedriges Risiko), 86 Prozent (mittleres Risiko) und 75 Prozent (hohes Risiko).
  • In 25 von 40 Fällen mit biochemischen Versagen wurde der Ort des Rezidivs radiologisch identifiziert: Bei 15 lag ein lokales Rezidiv in der Prostata vor.
  • Die Prävalenzraten von akuter Toxizität mit Schweregrad 2 betrugen 12 Prozent für urogenitale und 3 Prozent für gastrointestinale Fälle; es wurden keine Fälle akuter Toxizität mit Schweregrad 3–4 gemeldet.
  • Bei vier Patienten kam es zu einer späten Toxizität mit Schweregrad 3 (zwei operativ behandelte Harnröhrenverengungen, zwei Rektumfisteln, die eine Kolostomie erforderten).

Finanzierung 

  • Die Datenerfassung/-bearbeitung wurde durch Varian Medical Systems unterstützt.

 

Expertenkommentar

„Diese Forschungsarbeit deutet darauf hin, dass eine Einzelbehandlung mit einer Brachytherapie mit hoher Dosisleistung eine sehr gute Option für viele Männer mit Prostatakrebs sein könnte. Die Technologie und das nötige Fachwissen zur Verabreichung dieser Behandlung sind noch nicht in allen Krebszentren vorhanden. Da, neben den Vorteilen für die Patienten, Krankenhäuser mit dieser Art der Radiotherapie jedoch Zeit und Geld einsparen könnten, gibt es gute Argumente für entsprechende Investitionen.“ Dr. Bradley Pieters, Facharzt für Strahlenonkologie am Academisch Medisch Centrum in Amsterdam und Vorsitzender des Brachytherapie-Komitees von ESTRO.