ESMO-IO 2019 — Senkung der Kosten für Immuntherapien


  • Carolina Rojido
  • Univadis
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Erkenntnis

  • Von einer Senkung der Kosten würden Patienten, Ärzte, Krankenhäuser und Kostenträger profitieren. Dabei darf die Reduzierung der finanziellen Belastung jedoch nicht zu Lasten der klinischen Wirksamkeit gehen.
  • Ärzte und klinische Pharmakologen tragen mit Praxis-verändernder Evidenz entscheidend zum Kostenmanagement von Medikamenten bei.

Warum das wichtig ist

Die Verringerung der Kosten für die Immuntherapie ist wegen Folgendem wichtig:

  • Eine Immuntherapie ist teuer und dadurch möglicherweise von geringem Wert, da sie nur bei etwa 10–50 % der Patienten mit einer inakzeptablen Therapie oder inakzeptabler Toxizität angewandt werden.
  • Zuverlässige Beurteilungen über das Ansprechen sind erst Monate nach Behandlungsbeginn möglich.
  • Die britische Gesundheitsbehörde NHS verwendet 18 % ihres jährlichen Budgets für chemotherapeutische Medikamente. Eine Immuntherapie für nichtkleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) kostet in den Niederlanden 200 Millionen €/Jahr.
  • Die Reduzierung der Dosen von Anti-PDL1-Medikamenten kann Vorteile bieten (weniger Toxizität, weniger Besuche in medizinischen Zentren, kürzere Behandlungsdauer und Ermöglichung von therapiefreien Unterbrechungen und Urlaub).

Strategien zur Dosisreduktion können wie folgt erreicht werden:

  • Reduzierung individueller Dosen:
    • Pembrolizumab (2 mg/kg), verabreicht mit 200 mg alle 3 Wochen, konnte auf 150 mg reduziert werden, wenn die Dosierung gewichtsbasiert erfolgt, ausgehend von einem durchschnittlichen Patientengewicht von 75 kg.
    • Hindernisse: feste Flaschengrößen (Flascheninhalt muss aufgeteilt werden) und rechtliche Bedenken.
  • Verlängerung des Zeitintervalls zwischen den Dosen (löst Probleme mit Festdosis/Flascheninhalt):
    • Mit Nivolumab (3 mg/kg), verabreicht mit 480 mg alle 8 Wochen (anstatt alle 4 Wochen), beginnend mit der dritten Dosis, kann bei 88 % der Patienten immer noch eine konservative Zielkonzentration von 6,9 µg/ml aufrechterhalten werden.
  • Begrenzung der Behandlungsdauer:
    • Viele dieser Medikamente haben eine zugelassene Indikation für eine 2-jährige Behandlung, aber sie werden tendenziell länger verwendet.
    • Das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE-UK) empfiehlt für Atezolizumab und Nivolumab eine Behandlungsdauer von maximal 2 Jahren, basierend auf klinischer Wirksamkeit und Kosteneffektivität.
  • Ein Behandlungsansatz mit Therapieunterbrechungen während der Behandlungsdauer wurde bei fortgeschrittenem Melanom versucht.
  • Eine Senkung der Dosen ist möglich mit Arzneimittelkombinationen.

Weitere Schritte:

  • Kurzfristig: zusätzliche klinische Studien (ELISA-Validierung, Standard versus weniger häufige Dosen), die von den Krankenversicherungen finanziert werden, mit Kostenersparnissen durch Teilnahme von Patienten.
  • Langfristig: Personalisierte Dosierung (Anpassung des Dosierungsplans je nach Ansprechen auf die erste Dosis).

Expertenkommentar

„Die Einstellung der Behandlung vor Ende des zweiten Behandlungsjahres könnte in vielerlei Hinsicht riskant sein.“ Dr. Thomas Powles, Professor für urogenitale Onkologie, Director, Barts Cancer Centre, Leiter der Erforschung solider Tumoren, London, Vereinigtes Königreich.