ESMO-IO 2019 — Expertenkommentar: Welche Neuerungen in der Immuntherapie für Brustkrebs führen zu den größten Änderungen in der Praxis?


  • Carolina Rojido
  • Univadis
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Giuseppe Curigliano, MD PhD, Associate Professor für medizinische Onkologie an der University of Milano und Leiter der Abteilung für frühe Arzneimittelentwicklung am European Institute of Oncology, Mailand, Italien

Welche Neuerungen in der Immuntherapie für Brustkrebs führen zu den größten Änderungen in der Praxis?

Zwei Datensätze wirken sich sehr auf die Praxis aus.

  • Der erste Datensatz bezieht sich auf Patientinnen mit dreifach negativem Brustkrebs mit Metastasen, für die ein eindeutiger Nutzen mit der Kombination von Atezolizumab plus Nab-Placlitaxel bei Patientinnen belegt ist, die PD-L1 im Primärtumor überexprimieren. Bei diesen Patientinnen zeigt sich letztlich ein Nutzen hinsichtlich des Gesamtüberlebens und des progressionsfreien Überlebens. Darum wurde diese Kombination von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) und der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) als Erstlinientherapie zur Behandlung von dreifach negativem Brustkrebs mit Metastasen zugelassen.
  • Der zweite Datensatz stammt von einem neoadjuvanten Setting, bei dem für eine Operation geeignete Patientinnen vor dem operativen Eingriff eine therapeutische Behandlung erhalten. Hier gibt es die Studie Keynote 522, die ganz besonders hervorsticht und in der Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium und dreifach negativer Erkrankung die Standard-Chemotherapie entweder mit oder ohne Pembrolizumab erhielten. Beeindruckend hierbei ist, dass die zusätzliche Pembrolizumab-Therapie die Rate des pathologischen Komplettansprechens (pCR) erhöhte, ein sehr wichtiger Endpunkt im neoadjuvanten Setting, da das pCR mit dem ereignisfreien Überleben korreliert. Die Zunahme im pCR lag bei 50 % bis 64 %, also eine statistisch signifikante Erhöhung, und wenn ich eine Prognose abgeben müsste, würde ich sagen, dass Pembrolizumab für das neoadjuvante Setting auf jeden Fall zugelassen wird.
  • Ein weiteres wichtiges Ergebnis aus der Keynote 522 ist, dass, bezugnehmend auf die Daten zum ereignisfreien Überleben, im Arm mit Pembrolizumab ganz eindeutig weniger Metastasen auftraten.

Wie steht es mit den unerwünschten Ereignissen der Immuntherapie?

Die häufigsten unerwünschten Ereignisse sowohl im metastatischen als auch im neoadjuvanten Setting sind das endokrine unerwünschte Ereignis, die Hypothyreose, die bei nahezu 15 % lag. Es handelt sich also um eine häufig auftretende Toxizität durch Immun-Checkpoint-Inhibitoren, die sich für gewöhnlich nicht sehr auf die Lebensqualität der Patientinnen auswirkt. Natürlich war zu Beginn der Behandlung von Melanomen die Beobachtung dieser endokrinen unerwünschten Ereignisse ein Problem. Aber jetzt ist sie kein Problem mehr, da der Nutzen die Nebenwirkungen bei Weitem überwiegt. Das häufigste Ereignis ist jedoch Hypothyreose.

Was gibt es Neues in Bezug auf bildgebende Verfahren zur Nachbeobachtung von Brustkrebs im neoadjuvanten Setting?

  • Momentan führen wir eine Mammographie, Ultraschall und MRT durch. In der Regel gibt es keine 100%ige Übereinstimmung zwischen Bildgebung und dem Endbefund aus dem operativem Eingriff.
  • In Zukunft wird die Bildgebung mit der Integration von Radiomics, bei der mit künstlicher Intelligenz die Bildaufnahmen erstellt werden, jedoch viel fortschrittlicher sein und uns ermöglichen, Cluster zu identifizieren, die bei der Diagnose helfen.
  • Außerdem werden wir in der Zukunft mit Flüssigbiopsien arbeiten, bei denen im zirkulierenden Blut auf zirkulierende Tumor-DNA untersucht wird.
  • Das heißt also, dass in Behandlung stehende Patientinnen, die bei dieser Biopsie eine Clearance der zirkulierenden Tumor-DNA aufweisen, mit maximaler Wahrscheinlichkeit als vom Krebs geheilt betrachtet werden können. Die Zukunft zur Beurteilung der Erkrankung im frühen Stadium wird also in der Integration von Radiomics und zweitens in der Untersuchung auf zirkulierende Tumor-DNA liegen.