ESMO 2022 – Umgang mit Krebssymptomen und durch Krebsbehandlung bedingten Symptomen

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Erkenntnis

  • Bestimmte Symptome sind bis zu einem gewissen Grad normal und zu erwarten, müssen aber behandelt werden.
  • Screening und Beurteilung sind wesentlich, diese müssen umfassend, zeitnah und wiederholt stattfinden.
  • Es gibt keinen einheitlichen Ansatz.
  • Multiprofessionelle Zusammenarbeit ist erforderlich.

 

Emotionale Belastung, kognitive Dysfunktion, Fatigue

„Zwischen diesen Stadien besteht ein gewisses Zusammenspiel. Die Symptome sind in einem gewissen Ausmaß normal und erwartungsgemäß, das sollte uns jedoch nicht dazu bringen, zu sagen: wir müssen uns nicht darum kümmern. Wir müssen besondere Vorsicht walten lassen, da sie häufig auftreten und auch für den Onkologen wichtig sind. Nur durch die Behandlung dieser Symptome kann der Onkologe den Standardplan befolgen (Dosierung, Zeitpunkt ...) und der Patient kann ihn aufrechterhalten“, so Karen Steindorf, Leiterin der Abteilung Bewegung, Präventionsforschung und Krebs am Deutschen Krebsforschungszentrum (Heidelberg, Deutschland).

 

Psychische Belastungen

Leitlinien: US National Comprehensive Cancer Network [NCCN]

Screening: Selbstbeurteilung auf einer Skala von 0–10, falls ≥ 4, validierte Fragebögen verwenden; auffälligste Symptome identifizieren (die wichtigsten Kennzeichen emotionaler Belastung sind die Symptome von Depression und Angst).

Beurteilung: Bewertung von Cofaktoren

Behandlung von Depressionen: unterscheiden, ob eine Gefahr für sich selbst oder andere besteht. Falls ja, ist eine Intervention zwingend erforderlich. Behandlung mit psychotropen Medikamenten (Empfehlung der Kategorie 1) und/oder Psychotherapie, Behandlung körperlicher Symptome, Patienten-/Familienaufklärung, soziale Fürsorge (Kategorie 2A)

Behandlung von Angstzuständen: Psychotherapie (Kategorie 1) ± Antidepressivum ± Anxiolytikum (Kategorie 2A)

 

Kognitive Dysfunktion

Beurteilung: neuropsychologische Beurteilung/Untersuchung zum Ausschluss anderer Ursachen (z. B. Hirnmetastasen)

Behandlung: es gibt keine Standardintervention, kognitive Verhaltenstherapie (KVT), kognitives Rehabilitationstraining, kompensatorische/s Strategie/Training und Sport können wirksam sein (Kategorie 2A, NCCN).

 

Krebsbedingte Fatigue

Leitlinien: NCCN, ESMO, Canadian Association of Psychosocial Oncology (CAPO)

Beurteilung: Identifizierung und Behandlung beitragender Faktoren (z. B. Anämie, Schmerzen, Schlafstörungen)

Behandlung: nicht-pharmakologische Interventionen sind wirksamer als pharmakologische; Sport und Bewegung (einschließlich Ausdauer- und Krafttraining, Yoga [Kategorie 1, NCCN]; körperliches Training auch bei Angst und depressiven Symptomen wirksam); psychosoziale Interventionen (KVT, Psychoedukation, Achtsamkeits-basierte Stressreduktion, Information und Beratung [Kategorie 1]); Psychostimulanzien erst nach Ausschluss anderer Ursachen für Fatigue und nach Versagen anderer Interventionen in Betracht ziehen.

 

Kachexie

„Die Kachexie ist ein komplexes Syndrom. Wir haben wenig Wissen über das Auslösen von Stoffwechselstörungen. Sie ist immer noch unterdiagnostiziert und unterbehandelt. Sie erfordert eine multiprofessionelle individualisierte Behandlung“, so Jann Arends, Leiter Gastroenterologie und Ernährung, Klinik für Tumorbiologie (Freiburg, Deutschland).

 

Leitlinien: ESMO

Screening: Screening aller Krebspatienten auf das Risiko einer Mangelernährung; es sind einfache Screening-Tools (basierend auf unbeabsichtigtem Gewichtsverlust, niedrigem BMI, Appetitmangel usw.) verfügbar (z. B. das Malnutrition Universal Screening Tool [MUST]).

Beurteilung: Ernährungs-, Stoffwechsel- und Funktionsstatus, gastrointestinale Dysfunktion, belastende Symptome (z. B. Schmerzen, Dyspnoe), psychische/soziale Belastung, unerwünschte Ereignisse durch Medikamente, Tumorstatus

Behandlung: individualisierte Ernährungsintervention, Linderung/Behandlung von Symptomen durch Auswirkungen der Ernährung, psychologische/soziale Unterstützung, Bewegung

 

Dyspnoe

„Dyspnoe ist ein multidimensionales Symptom, das ein Team erfordert, um dem Patienten zu helfen. Wir müssen mit den nicht-pharmakologischen Optionen vertraut sein, die wir unseren Patienten beibringen können, und uns auch der pharmakologischen Behandlungsoptionen bewusst sein. Sowohl bei Dyspnoe als auch bei Husten werden wir Opioide weiterhin als Erstlinienoptionen in Betracht ziehen“, so David Hui, Abteilung für Palliativ-, Rehabilitations- und Integrativmedizin, MD Anderson Cancer Centre (Houston, USA).

 

Dyspnoe

Leitlinien: ESMO

Screening: routinemäßiges Symptom-Screening

Beurteilung: Abklärung und Behandlung zugrundeliegender Ursachen (z. B. Pneumonie)

Nicht-pharmakologische Maßnahmen: Lungenrehabilitation (dringend empfohlen, sie lindert Dyspnoe und Fatigue, verbessert die emotionale Funktion und verbessert das Gefühl der Patienten, Kontrolle über ihre Erkrankung haben); Handgebläsetherapie oder Luftstromtherapie, Atemschulung, Aufklärung und Selbstmanagement, Mobilitätshilfen (allgemein empfohlen)

Pharmakologische Therapien: Opioide, nicht-invasive Beatmung (generell empfohlen); High-Flow-Sauerstoff, Kortikosteroide, Benzodiazepine, Antidepressiva außer Sertralin (optional); Sauerstoffzufuhr (bei Sättigung ≥ 90 %), Sertralin und Cannabinoide werden im Allgemeinen aufgrund mäßiger Evidenz für Wirksamkeit oder aufgrund unerwünschter Ergebnisse nicht empfohlen.