ESMO 2019 — Nivolumab übertrifft Sorafenib bezüglich Verträglichkeit bei fortgeschrittenem hepatozellulären Karzinom


  • Daniela Ovadia — Agenzia Zoe
  • Oncology Conference reports
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Erkenntnis

  • Der Endpunkt des Gesamtüberlebens (OS) erreichte in der Studie CheckMate-459 zwar keine statistische Signifikanz, doch für Patienten, die mit Nivolumab behandelt wurden, konnten im Vergleich zu Sorafenib eine verbesserte Lebensqualität und eine geringere Behandlungslast beobachtet werden.

Warum das wichtig ist

  • Denjenigen Patienten mit einem fortgeschrittenen hepatozellulären Karzinom (aHCC), deren Tumor für eine operative Resektion oder eine lokale Therapie nicht geeignet ist, stehen nur wenige wirksame Behandlungsoptionen zur Verfügung.
  • Immun- bzw. Immunmonotherapie ist ein vielversprechender Ansatz, wobei aber neue Biomarker benötigt werden, um Patienten zu identifizieren, die von dieser Therapie wirklich profitieren könnten.
  • Sorafenib ist als Erstlinientherapie für aHCC zugelassen, es besteht aber immer noch ein ungedeckter Bedarf in Bezug auf längeres Überleben und bessere Verträglichkeit.
  • Mit Nivolumab ließen sich in CheckMate-040 ein dauerhaftes Ansprechen, Sicherheit und vielversprechende langfristige Überlebenschancen nachweisen.

Studiendesign

  • Studie der Phase III zum Vergleich der klinischen Wirksamkeit und Sicherheit von Nivolumab und Sorafenib als Erstlinientherapie bei Patienten mit aHCC.
  • Patienten mit aHCC ohne systemische Vorbehandlung im Alter von ≥ 18 Jahren wurden im Verhältnis von 1 : 1 randomisiert. Bei einer minimalen Nachbeobachtung von 22,8 Monaten erhielten sie entweder Nivolumab (743 Patienten, alle 2 Wochen 240 mg i.v.) oder Sorafenib (372 Patienten, zweimal täglich 400 mg oral).
  • Primärer Endpunkt: OS.
  • Weitere Endpunkte waren die objektive Ansprechrate (ORR) und das progressionsfreie Überleben (PFS), die Wirksamkeit in Bezug auf die PD-L1-Expression des Tumors sowie die Sicherheit.
  • Finanzierung: Bristol-Myers Squibb.

Wesentliche Ergebnisse

  • Das OS erreichte den vorab definierten Grenzwert für statistische Signifikanz nicht (HR: 0,84; p = 0,0419).
  • Das mediane OS lag bei 16,4 Monaten mit Nivolumab und bei 14,7 Monaten mit Sorafenib (HR: 0,85; p = 0,0752).
  • Ein klinischer Nutzen wurde bei vorab definierten Untergruppen beobachtet, einschließlich Hepatitisinfektionsstatus, Vorliegen einer vaskulären Invasion und/oder einer extrahepatischen Streuung sowie Region (Asien gegenüber außerhalb Asiens).
  • Die ORR betrug 15 % mit Nivolumab und 7 % mit Sorafenib (14 bzw. 5 Patienten mit komplettem Ansprechen).
  • Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse mit Schweregrad 3/4 wurden bei 22 % unter Nivolumab und bei 49 % unter Sorafenib gemeldet und führten bei 4 bzw. 8 % zu einem Therapieabbruch.

Expertenkommentar

  • „Der Form nach handelt es sich um eine weitere negative Immuntherapiestudie der Phase III, doch es liegen klinisch bedeutsame Daten zu Wirksamkeit, Sicherheit und Lebensqualität mit Nivolumab vor. Das mOS hat sich bei der Erstbehandlung eines HCC verlängert und Qualität sowie Quantität späterer Therapien haben sich verbessert. Was wir jetzt brauchen, sind Biomarker, um Patienten zu identifizieren, die von einer Immun- bzw. Immunmonotherapie profitieren könnten“, so Per Pfeiffer vom Universitätsklinikum Odense, der nicht an der Studie beteiligt war.