ESMO 2019 — Gebrechlichkeit beeinträchtigt die Behandlung von älteren Krebspatienten


  • Yves Goulnik
  • Oncology Conference reports
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Erkenntnis

  • Die Gebrechlichkeit von Patienten steht im Zusammenhang mit schlechten Ergebnissen der Krebsbehandlung, wobei das Risiko für Behandlungsunverträglichkeit oder Komplikationen erhöht ist.

Warum das wichtig ist

  • Zwischen 2010 und 2030 wird sich die Zahl der Krebspatienten im Alter ab 65 Jahren weltweit verdoppeln, während sie bei jüngeren Patienten um nur 10 % zunehmen wird.
  • Unerwünschte Arzneimittelwirkungen korrelieren gut mit der Zahl der Medikamente, die ein Patient nimmt, und 80 % der älteren Patienten erhalten Ko-Medikationen. Die Wegnahme eines Medikaments ist nicht leicht, vor allem, weil zwei Drittel der älteren Patienten irgendein frei erhältliches Medikament einnehmen.

Definition von Gebrechlichkeit

  • Gebrechlichkeit ist ein altersbedingter dysfunktionaler Zustand verminderter physiologischer Reserven, der sich von Behinderung, Multimorbidität, Beeinträchtigung und chronischer Erkrankung unterscheidet, aber sich auch damit überschneidet.
  • Gebrechlichkeit kann durch eine geriatrische Untersuchung mit oder ohne Screeninginstrumente für Gebrechlichkeit beschrieben werden.
  • Auch wenn es kein wirklich verlässliches Untersuchungsinstrument für Gebrechlichkeit gibt, sind die möglichst umfassende Erkennung und Quantifizierung dieses Zustands wichtig, um einen Absturz in die Abhängigkeit zu verhindern.
    • Bei körperlich fitten älteren Menschen ist das funktionelle Fähigkeitsniveau nach einer leichten Erkrankung immer reduziert, kehrt aber schließlich zu seinem früheren Zustand zurück.
    • Andererseits wird bei gebrechlichen älteren Menschen diese Funktionalität niemals vollständig wiederhergestellt, wodurch ihr Grad an Abhängigkeit ansteigt.
  • Kognitive Beeinträchtigung ist nicht immer leicht zu beurteilen, außer wenn sie schwerwiegend ist; dennoch ist die Erkennung essenziell.
  • Die Intensität und Komplexität von Multimorbidität nimmt mit dem Alter zu und steht in Sachen Behandlung mit Krebs im Wettstreit.

Hauptprobleme

  • Es ist wichtig, für die gemeinsame Entscheidungsfindung vor Behandlungsbeginn ein Klima der Zusammenarbeit zwischen Geriatern und medizinischen Onkologen zu erschaffen.
  • Die Beurteilung der Prioritäten eines Patienten ist zentral, erfordert aber Zeit, was großteils an den emotionalen Auswirkungen von Krebs liegt.
  • Arzneimittelwechselwirkungen sind im Kontext der Onkologie besonders kritisch. Sie äußern sich vorwiegend über Zytochromenzyme in der Leber, werden durch mehrfache Chemotherapeutika induziert und sind in die metabolische Aktivierung und Deaktivierung verwickelt.
  • Oft ist eine Dosisdeeskalation erforderlich, da die große Mehrheit der Zulassungsstudien nur an Populationen junger oder stabiler Patienten durchgeführt wird.
  • Gebrechlichkeit und kognitive Beeinträchtigung sind große Hindernisse für die Behandlungscompliance, was durch die erhöhte Verfügbarkeit oraler Chemotherapeutika erschwert wird.

Expertenkommentar

  • „Besser die Behandlung an den Patienten als den Patienten an die Behandlung anpassen. Die Optimierung der Behandlung bei älteren Krebspatienten ist auch Präzisionsmedizin“, sagte Etienne Brain, St. Cloud Hospital, Institut Curie, Frankreich.