ESMO 2019 — Expertenkommentar: Versorgung von Überlebenden, die Lektion aus der pädiatrischen Onkologie


  • Daniela Ovadia — Agenzia Zoe
  • Oncology Conference reports
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Gregory T. Armstrong, Epidemiology and Cancer Control, St. Jude Children’s Research Hospital, Memphis, USA.

  • Die Verlaufskontrolle von Krebsüberlebenden wird zu einem großen Problem. Kinder, die vor 15, 20 oder 30 Jahren behandelt wurden, erreichen das Erwachsenenalter. Wir beginnen gerade erst, ihr langfristiges Gesundheitsrisiko und die langfristigen Auswirkungen der Therapien, denen sie ausgesetzt waren, zu verstehen.
  • Den Überlebensstatistiken zufolge erreichen mehr als 83 Prozent der Kinder mit Malignom ein Fünf-Jahres-Überleben. Bis 2020 wird es in den USA laut der Childhood Cancer Survivor Study (CCSS) etwa 500,000 Krebsüberlebende geben.
  • Diese Studie wurde 1994 aufgelegt, umfasst mehr als 25.000 Teilnehmer und sie befasst sich mit einer Vielzahl von Ergebnissen. Sie stellt ein Modell für die Erforschung von Langzeitfolgen dar. Die CCSS konzentriert sich auf gesundheitsbezogene Probleme und die Lebensqualität, um Hochrisikogruppen von Überlebenden zu identifizieren.
  • Wenn wir die Mortalitätskurven in den Jahren nach der Diagnose betrachten, sehen wir, dass das Risiko für Krebsrezidive und Krankheitsprogress in den ersten 10–15 Jahren nach der Diagnose am höchsten ist und dann ein Plateau erreicht. Externe Ursachen für Mortalität erreichen etwa 30 Jahre nach der Diagnose einen Höhepunkt. Das kardiale Risiko ist eine häufiger auftretende späte Todesursache.
  • Es dauerte einige Zeit, bis man sich der Belastung durch chronische Erkrankungen unter den Krebsüberlebenden bewusst wurde. Erst 2006 wurde in einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie erstmals das Ausmaß und die Schwere der chronischen Erkrankungen in den ersten drei Jahrzehnten nach der Behandlung dokumentiert.
  • Im Jahr 2014 zeigte eine im Journal of Clinical Oncology veröffentlichte Studie, dass 54 Prozent der Überlebenden im Alter von 50 Jahren schwerwiegende unerwünschte Ereignisse erlebten. Erst in jüngster Zeit sehen wir eine Abnahme der chronischen Erkrankungen, die auf eine Verringerung der Behandlungsexposition bei Hodgkin-Lymphom und Non-Hodgkin-Lymphom, Sarkomen und Astrozytomen zurückzuführen ist.
  • Laut CCSS beträgt die kumulative Inzidenz einer späteren Neubildung nach 20 Jahren 22 Prozent und die kumulative Inzidenz einer nachfolgenden Malignität nach 30 Jahren liegt bei 11 Prozent. Eine Bewertung des allgemeinen Risikos reicht jedoch nicht aus, um diesen Überlebenden zu helfen: Wir möchten wissen, welche Risiken spezifisch erhöht sind.
  • So steigt die Odds Ratio für Brustkrebs mit der kumulativen Anthrazyklin-Dosis. Die Mortalitätsrate bei Überlebenden, die Brustkrebs entwickeln, ist höher als in der Allgemeinbevölkerung, hauptsächlich aufgrund von Komorbiditäten. Das bedeutet, dass es Raum für Maßnahmen zur Risikominderung gibt.
  • Wir benötigen Leitlinien für die klinische Versorgung, um die Verlaufskontrolle der Überlebenden zu steuern. Die CCSS überprüfte die verfügbaren Publikationen und Richtlinien, es fehlen jedoch Daten. So empfehlen beispielsweise die Leitlinien der American Cancer Society (ACR) zur Überwachung von Brustkrebs bei Kindern, die überleben, eine jährliche Mammographie und MRT der Brust ab einem Alter von 25 Jahren oder 8 Jahre nach der Chemotherapie. Nutzen, Schaden und Kosten waren jedoch unbekannt.
  • Eine Simulationsstudie zeigte, dass aktuelle ACR-Empfehlungen 1 von 2 Brustkrebstodesfällen verhindern können. Wir brauchen diese Daten und Risikovorhersagemodelle, weil wir die Gesundheitsversorgung für evidenzbasierte Interventionen zur Risikoreduktion liefern müssen.
  • Die CCSS fungiert nun als offene Datenplattform für diejenigen, die Überlebende von Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter untersuchen oder Richtlinien zur Risikoreduktion umsetzen und die Ergebnisse teilen wollen.
  • Wir sind immer effektiver bei der Behandlung von Krebs bei Kindern, aber wir sind nicht in der Lage, diejenigen zu schützen, die überlebt haben, da wir uns der möglichen langfristigen Nebenwirkungen der neuen Therapien, einschließlich Immun- oder Zelltherapien, nicht vollständig bewusst sind.