ESMO 2019 — Expertenkommentar: Über den Tumor hinausblicken für neue Marker in der Immuntherapie


  • Cristina Ferrario — Agenzia Zoe
  • Oncology Conference reports
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Florent Petitprez ist mit La ligue contre le cancer (der französischen Liga gegen Krebs) im „Cartes d'Identité des Tumeurs (CIT)“-Programm verbunden, das den Schwerpunkt auf Krebsgenomik legt.

  • Es besteht kein Zweifel, dass die Immuntherapie bereits den Verlauf vieler Tumoren geändert hat und ihre Bedeutung in der Krebsbehandlung am Zunehmen ist.
  • Es ist heute üblich, den Tumor und seine Immun- und Zellkomponenten zu betrachten, um Hinweise darauf zu finden, ob die Therapie helfen könnte. Es besteht aber ein Bedarf an neuen Markern für das Ansprechen im Bereich der Immunonkologie.
  • Die meisten bis heute ermittelten Marker – wie die Tumormutationslast oder die Anzahl der T-Zellen – sind mit erhöhten Ansprechraten assoziiert. Wir haben noch keinen „Ja-oder-Nein“-Biomarker, der uns sagt, ob ein Patient auf eine Immuntherapie ansprechen wird oder nicht. Das ist es, wonach wir suchen und woran wir arbeiten.
  • Es gibt viele Herausforderungen bei der Erforschung von Biomarkern und der Bedeutung der Mikroumgebung beim Ansprechen auf eine Immuntherapie, darunter insbesondere die verschiedenen Ergebnisse, die durch verschiedene Testmethoden erlangt werden, die manchmal inkonsistente oder widersprüchliche Ergebnisse ergeben.
  • Beispielsweise sind heute verschiedene Antikörper oder Technologien in der immunhistochemischen Untersuchung von PD-L1 verfügbar, was in der klinischen Praxis eine Herausforderung darstellt.
  • Indem sie über die technischen Probleme hinausgehen, versuchen Forscher, Einblick in die Tumorzellen selbst zu erlangen, um sich der Herausforderung der Entdeckung neuer Marker anzunehmen, und untersuchen zum Beispiel die Bedeutung der Mikroumgebung des Tumors und der verschiedenen Zellpopulationen, die sie enthält.
  • Wir wissen bereits, dass die Mikroumgebung des Tumors in verschiedener Weise zum Ziel genommen werden kann, indem Kombinationsstrategien mit Anti-PD-1/PD-L1 angewendet werden.
  • Tatsache ist, dass jüngste Studien zeigten, dass CD8+-T-Zellen nicht die einzigen sind, die in diesem Szenario mit der PD-1/PD-L1-Blockadereaktion zusammenhängen: Viele andere Faktoren könnten beteiligt sein, wie B-Zellen, dendritische Zellen, Makrophagen, Fibroblasten und auch das Blutgefäßsystem. Außerdem gibt es selbst zwischen den verschiedenen Phänotypen bei demselben Zelltyp Unterschiede.
  • Des Weiteren ist die Mikroumgebung des Tumors nicht statisch. Sie entwickelt sich über die Zeit und auch in Reaktion auf Therapien; diese Eigenschaft sollte bei der Suche nach neuen potenziellen Markern berücksichtigt werden.
  • Beachtenswert ist, dass nachfolgende Veränderungen in der Mikroumgebung des Tumors, beispielsweise durch mehrere Biopsien, eine weitere Hausforderung in der klinischen Praxis darstellen könnten. Die meisten der verfügbaren Daten zur Wechselwirkung zwischen der Mikroumgebung des Tumors und dem Ansprechen auf eine Immuntherapie basieren auf Baselinedaten, die zum Zeitpunkt eines operativen Eingriffs erhoben wurden.
  • Wir sollten auch nicht vergessen, dass der Einfluss der Mikroumgebung des Tumors in verschiedenen Organen auch von einem prognostischen Blickwinkel aus extrem unterschiedlich sein könnte. Es werden mehr Daten benötigt, um auf diesen Punkt einzugehen und die Informationen auf die patientennahe Anwendung zu übertragen oder um zu verstehen, wie diese Unterschiede das Ansprechen auf die Behandlung beeinflussen.
  • Wir befinden uns erst am Anfang dieses Weges.
  • Die Untersuchung der Mikroumgebung des Tumors im Kontext der Forschung zu Markern in der Immuntherapie erfordert zweifellos einen multidisziplinären Ansatz. Als Forscher arbeiten wir immer mit Klinikern zusammen, weil sie helfen können, die unerfüllten Bedürfnisse zu identifizieren, und klinische Studien in Gang setzen können.
  • Wie gesagt ist Zusammenarbeit sicher zentral, um die Grundlagenforschung auf die Patientenversorgung zu übertragen.