ESMO 2019 — Expertenkommentar: Keine Eile für Radiotherapie bei postoperativem lokalisiertem Prostatakrebs


  • Daniela Ovadia — Agenzia Zoe
  • Oncology Conference reports
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Expertenkommentar von Xavier Maldonado, Klinischer Leiter der Abteilung Radiation Oncology, Hospital Universitari Vall d’Hebron, Barcelona.

  • Es scheint, als ob es auf eine alte Frage – ob Männer mit lokalisiertem Prostatakrebs nach einer Operation auf eine Radiotherapie verzichten können – dank zweier Studien, die hier bei der ESMO vorgestellt wurden, eine vorläufige Antwort gibt.
  • Laut RADICALS-RT, einer postoperativen Phase-III-Studie, bei der Patienten mit Prostatakrebs zu Radiotherapie oder Beobachtung randomisiert wurden, gibt es zwischen Männern, die kurz nach dem operativen Eingriff (innerhalb von 4–6 Monaten) eine routinemäßige Radiotherapie erhalten hatten, und Männer, die später im Fall des Wiederauftretens der Krebserkrankung eine Radiotherapie erhielten, nach 5 Jahren keinen Unterschied hinsichtlich des Rezidivs der Erkrankung. Nun liegt uns die Evidenz dafür vor, dass Beobachtung der Standardansatz sein sollte.
  • Diese Ergebnisse wurden durch eine Metaanalyse, ARTISTIC, bestärkt, die auch bei der ESMO vorgestellt wurde, und die Ergebnisse von RADICALS mit zwei ähnlichen Studien kombiniert: RAVES und GETUG-AFU 17. ARTISTIC liefert eine größere Evidenz, um die routinemäßige Beobachtung zu unterstützen und zu beurteilen, ob eine adjuvante Radiotherapie bei einigen Männergruppen eine Rolle spielen könnte.
  • ARTISTIC bewies, dass etwa 40 Prozent der Patienten im Arm mit alleinigem chirurgischem Eingriff in den nächsten 10 Jahren der Verlaufskontrolle niemals eine adjuvante Bestrahlung benötigen, sodass es eine große Anzahl übertherapierter Patienten gibt, die sich einer für sie vermeidbaren adjuvanten Radiotherapie unterziehen.
  • Diese Ergebnisse werden die Behandlung vermeiden oder deren Dauer verkürzen und die Ressourcennutzung verbessern helfen, da die moderne Radiotherapie kompliziert und teuer ist. Es wird jedoch eine strenge Verlaufskontrolle zur Identifizierung von Patienten, die eine Salvage-Radiotherapie benötigen, erforderlich sein.
  • Nach Ansicht von Dr. Maldonado als Klinikarzt bedeutet eine Radiotherapie auch weniger Nebenwirkungen: Laut diesen Studien war die selbstberichtete Harninkontinenz nach 1 Jahr schlechter und bei Patienten, die eine Radiotherapie erhielten, im Vergleich zu jenen, die die Standardversorgung erhielten, beinahe doppelt so häufig. Und selbst eine schwere Harnröhrenverengung war in den Gruppen mit Standardversorgung im Vergleich zur Radiotherapie viel weniger häufig.
  • Wir haben auch Daten über den PSA-Wert, die zeigen, dass es keinen Unterschied beim biochemischen progressionsfreien Überleben gibt.
  • Auf Grundlage dieser Ergebnisse liegt der Unterschied für das 5-jährige ereignisfreie Überleben bei etwa 1 Prozent.
  • In jedem Fall muss man vorsichtig sein: Für den Hauptendpunkt der Studie, die Freiheit von Fernmetastasen nach 10 Jahren, ist eine längere Verlaufskontrolle erforderlich (die mediane Verlaufskontrolle bei RADICALS-RT betrug 5 Jahre), und es muss umfassend über das Auftreten von Toxizitäten berichtet werden.
  • Der Schwerpunkt liegt auf der Identifizierung, welche Patienten weiterhin eine adjuvante Radiotherapie benötigen, um ein sehr frühes lokales Rezidiv und potenzielle nachfolgende Metastasen zu vermeiden.
  • Dr. Maldonado legte nahe, dass wir genomische Klassifikatoren entwickeln müssen, um die Entscheidung für die beste Managementstrategie, also operativer Eingriff allein oder mit Radiotherapie sowie Zeitpunkt des Vorgehens, für jeden Patienten zu unterstützen.