ESMO 2019 — Expertenkommentar: Angehen der Behandlungsoptionen bei dreifach negativem metastasierendem Brustkrebs


  • Daniela Ovadia — Agenzia Zoe
  • Oncology Conference reports
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Suzette Delaloge, Associate Professor of Medical Oncology, Leiterin der Brustkrebsabteilung, Hôpital Gustave Roussy, Paris, Frankreich

  • Die Wahl der Behandlungsoption bei dreifach negativem Brustkrebs (TNBC) ist eine der größten Herausforderungen in der Onkologie und erfordert gute Kenntnisse der molekularen Signaturen des Tumors.
  • Metastasierter TNBC hat immer noch ein sehr schlechtes Outcome. Laut der multizentrischen nationalen französischen Studie ESME COHORT mit 22.000 Frauen zwischen 2008 und 2016 beträgt das mittlere Gesamtüberleben (OS) bei TNBC etwa 15 Monate, während das mediane OS bei HER2-positiven Patientinnen etwa 50 Monate und bei HR-positiven, HER2-negativen Patientinnen etwa 43 Monate beträgt.
  • Während ihrer Präsentation bei der ESMO fragte Dr. Delaloge die Zuhörer, welchen Test sie bei einer 43-jährigen Patientin mit metastasierendem Brustkrebs benötigen würden. Die Liste umfasste eine PD-L1 IHC-Beurteilung; TIL; AR-Expression; ein Tumorpanel mit HRD und wichtigen genomischen Treffern; eine Keimbahn-Suche nach BRCA1/2-Veränderung; ein zirkulierendes Panel einschließlich HER2, PIK3CA und AKT; und ein Transkriptom-Profil zur Identifizierung des TNBC-Subtyps und IHC für ein angreifbares epitheliales Antigen. Nur für die Suche nach BRCA-Mutationen wurde Einstimmigkeit erreicht, während die anderen Marker nur von Untergruppen von Klinikern berücksichtigt wurden.
  • Die Wahl könnte durch die Verfügbarkeit sowohl der Tests als auch der gezielten Therapien beeinflusst sein. Alle genannten Tests können jedoch nützlich sein, um eine richtige Behandlungsauswahl zu treffen.
  • Bei einer PD-L1-positiven Patientin würde der Entscheidungsbaum das Vorgehen mit einer PD-L1-Inhibierung plus Chemotherapie nahelegen. Neue Daten aus KEYNOTE 086 deuten darauf hin, dass auch ein PD1/PD-L1-Inhibitor als Monotherapie eine gute Wahl sein könnte. Die Studie IMpassion130 zeigt auch, dass der PD-L1-Status den Nutzen von Atezolizumab vorhersagt.
  • Bei BRCA-Mutationen sind PARP-Inhibitoren die erste Wahl oder Platin, wenn PARP-Inhibitoren nicht verfügbar sind. Neben anderen Studien zeigen OlympiAD und EMBRACA, dass sowohl Olaparib als auch Talazoparib die Ansprechrate bei Patientinnen mit metastasierendem Brustkrebs mit BRCA-Keimbahnmutationen im Vergleich zur Chemotherapie verbessern.
  • Was ist, wenn sowohl PD-L1 als auch BRCA1/2 positiv ist? Wir können die PD-L1-Inhibierung plus Chemotherapie anwenden oder eine innovative Strategie einsetzen, die die PARP-Inhibierung mit Immuntherapie kombiniert, aber nur, wenn uns genug Geld oder eine ausreichende Krankenversicherung für diese sehr teuren Behandlungen zur Verfügung steht.
  • Bei HRD-Veränderungen können wir Platin in Betracht ziehen. Wir warten auf die Ergebnisse der Phase-III-Studien, um neue Optionen zu finden.
  • Wenn der PI3K/AKT-Pfad verändert wird, werden wir in Zukunft vermutlich eine Chemotherapie und/oder AKT-Inhibitoren verwenden. Phase-III-Studien (wie LOTUS und PAKT) laufen noch und wir warten auf die endgültigen Ergebnisse.
  • Und schließlich hoffen wir, künftig spezifisch am Androgenrezeptor (AR) angreifen zu können, wenn er positiv ist. Es laufen einige Phase-II-Studien, wie z. B. START, die uns einen Machbarkeitsnachweis für diese Strategie liefern sollten.
  • Künftig könnten wir auch ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat einsetzen, eine neue Strategie, die vielversprechend erscheint, und über die hohe Dosen wirksamer Medikamente selektiv an Tumorzellen abgegeben werden können. Wir warten auf die Ergebnisse der Phase-III-Studie ASCENT mit Sacituzumab Govitecan.
  • Dr. Delaloge sagte, dass die Landschaft komplex ist und sich ständig ändert, und Kliniker könnten Schwierigkeiten haben, unter Berücksichtigung der Kosten und des Nutzens hinsichtlich des Gesamtüberlebens die beste Behandlung für ihre Patienten auszuwählen. Aktualisierte Tools wie Entscheidungsbäume könnten sehr hilfreich sein.