ESMO 2019 — Ausgedehntes kleinzelliges Lungenkarzinom: Immuntherapie nützt einigen Patienten, aber keine Identifizierung durch Biomarker


  • Jo Whelan
  • Oncology Conference reports
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Erkenntnis

  • Immuntherapie kann einigen Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom im ausgedehnten Stadium (ES-SCLC) nützen, aber die bestehenden Biomarker identifizieren diese Personen nicht.

Warum das wichtig ist

  • Es werden dringend neue Erstlinienbehandlungen für ES-SCLC benötigt, um die eingeschränkte Wirksamkeit, die mit Chemotherapie beobachtet wird, zu verbessern.
  • Die Behandlung aller Patienten ist in Relation zum gewonnenen Nutzen teuer und setzt Patienten unnötiger Toxizität aus.
  • Zwei neue Analysen bestätigten, dass eine Minderheit von Patienten mit ES-SCLC einen klinisch relevanten Nutzen von einer Immuntherapie davontragen, zeigten aber, dass die bestehenden Biomarker das Ansprechen nicht vorhersagen.
  • Die CASPIAN-Studie hatte zuvor gezeigt, dass die zusätzliche Gabe von Durvalumab zur Standardchemotherapie aus Etoposid + Cisplatin (EP) in der Erstlinienbehandlung einen mäßigen Überlebensvorteil mit sich bringt, wobei das mediane Gesamtüberleben (OS) von 10,3 auf 13,0 Monate erhöht wird (HR: 0,73; 95 %-KI: 0,591–0,909; p = 0,0047). Neue, bei der ESMO 2019 vorgestellte Daten zeigten jedoch, dass die PD-L1-Expression niedrig war und keinen signifikanten Effekt auf die klinischen Ergebnisse hatte.
  • Patienten, die mit Durvalumab behandelt wurden, wiesen längere Zeiten bis zur Verschlechterung der Symptome, des Funktionsniveaus und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität auf, wie es ausgehend von den Wirksamkeitsdaten zu erwarten wäre.
  • Die zusätzliche Gabe von Atezolizumab zu EP war in den aktualisierten Ergebnissen der IMPower-133-Studie nach 22,9 Monaten Nachbeobachtung mit einem medianen OS von 12,3 Monaten assoziiert (HR: 0,76; 95 %-KI: 0,60–0,95). Das Überleben nach 18 Monaten war unter Atezolizumab + EP 34 %, verglichen mit 21 % unter nur EP.
  • Weder PD-L1 noch Tumormutationslast(TMB)-Biomarker sagten den Nutzen vorher.

Expertenkommentar

  • „Die zwei Studien ähneln sich in Bezug auf die Population, Ergebnisse und unerwünschten Ereignisse“, sagte Dr. Johan F. Vansteenkiste (Universitätskrankenhaus Leuven, Belgien), der eingeladene Korreferent. Auch wenn sie den ersten Fortschritt in der Behandlung von ES-SCLC seit Jahrzehnten darstellen, sind die Ergebnisse klinisch bescheiden. Er verwies auf eine neue wirtschaftliche Analyse, die ein sehr hohes Kosten-Nutzen-Verhältnis der Behandlung unselektierter ES-SCLC-Patienten mit Immuntherapie zeigte. Allerdings könnten Biomarker bei SCLC aufgrund der geringen Menge von Mikroumgebungsgewebe im Tumor schwer zu finden sein.