ESMO 2018 – Welche Rolle spielen Nachweise aus der Praxis bei der Beurteilung von Krebsmedikamenten und sollten wir das QALY ersetzen?


  • Jo Whelan
  • Oncology Conference reports
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Erkenntnis

  • Kostenträger betrachten Daten aus der Praxis als wichtige Ergänzung zu klinischen Studien, und die Kosten-pro-QALY-Analysen wird es weiterhin geben.

Warum das wichtig ist

  • Die ständig steigenden Kosten für Krebstherapien sind inzwischen selbst für die reichsten Gesundheitssysteme ein grundlegendes Problem.
  • Kostenträger brauchen Modelle, die Nutzen, Kosten und Opportunitätskosten berücksichtigen und mit denen sich der Wert über Therapiebereiche hinweg vergleichen lässt.
  • Klinische Studien liefern meistens nicht alle Nachweise, die die Kostenträger benötigen.

Wertemodelle

  • „Nachdem wir jetzt kein Geld mehr haben, müssen wir nachdenken.” Dieses Zitat von Winston Churchill passt gut zur Situation der neuen onkologischen Therapien, findet Andrew Briggs von der Universität Glasgow, UK.
  • Die Welt der Onkologie hat mit dem Einsatz von Wertemodellen reagiert, die von ESMO, ASCO und anderen Organisationen veröffentlicht wurden. Aber QALY bleibt die Kennzahl der Wahl für Ökonomen und viele Institutionen zur Folgekostenabschätzung in der Medizintechnik (Health Technology Assessment, HTA).
  • „Die Kosten-pro-QALY ist ein Hilfsmittel zur informierten Entscheidungsfindung, kein Ersatz. Niemand hält es für perfekt, aber es ist das beste Modell, das wir haben, und es ist das einzige Modell, das die Opportunitätskosten berücksichtigt“, sagte Professor Briggs.

Nachweise aus der Praxis

  • Nachweise aus der Praxis (real-world evidence) sind ein hochmodernes Thema, aber mit ihrer Hilfe hat man schon früher Evidenzlücken gestopft.
  • Die Belege aus randomisierten kontrollierten Studien (RCT) sind für Kostenträger häufig unzureichend. Oft werden in Studien keine Daten zur Lebensqualität und zu anderen für Patienten wichtigen Behandlungsergebnissen ermittelt, und bei der Bewertung neuer Therapien werden nicht alle Komparatoren berücksichtigt. Die Verpflichtung, eine Kostenübernahmeentscheidung gleich nach Zulassung eines Arzneimittels zu fällen, erhöht die Unsicherheit, da noch keine Langzeitergebnisse vorliegen.
  • Register, elektronische Aufzeichnungen, Beschwerdedatenbanken, retrospektive Prüfungen der Krankenakten und Patientenbefragungen spielen alle eine bestimmte Rolle.
  • In der Onkologie werden häufig einarmige Studien durchgeführt, sodass zuverlässige historische Kontrolldaten sehr wichtig sind, um die geprüften Therapien auf diese Weise zu evaluieren.