ESMO 2018 – Gibt es Unterschiede in der Wirksamkeit oder Toxizität der Chemotherapie bei Männern und Frauen mit Speiseröhren- und Magenkarzinomen?


  • Daniela Ovadia — Agenzia Zoe
  • Oncology Conference reports
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Erkenntnis

  • Die beobachteten Nebenwirkungen während einer Chemotherapie gegen Karzinome in Speiseröhre und Magen (oesophagogastric, OG) unterschieden sich bei Männern und Frauen.

 

Warum das wichtig ist

  • Bei den Unterschieden von Patient zu Patient bezüglich Metabolismus und Dosisreduktion in der Chemotherapie spielt das Geschlecht eine Rolle, und es könnte auch einen Einfluss auf die Wirksamkeit und die Toxizität haben.
  • Bei fortgeschrittenem OG-Krebs ist eine Dreifach-Chemotherapie (APF) die Standardoption, aber die Toxizität sollte bei Männern und Frauen differenziert betrachtet werden.

 

Studiendesign

  • Es wurden Daten aus vier multizentrischen RCT des UK-NCRI für die Erstlinientherapie von Patienten mit fortgeschrittenem OG-Krebs gepoolt.
  • Daten zu Demografie und Behandlungsergebnissen sowie die Prävalenz von Toxizitäten aller Grade und vom Grad ≥3 wurden nach Geschlecht verglichen.
  • Unerwünschte Ereignisse und Ansprechraten wurden anhand eines Chi-Quadrat-Tests verglichen, die Überlebensergebnisse mit einem Log-Rank-Test.

 

Wesentliche Ergebnisse

  • Bei 89,3 % der Frauen (n = 326) bzw. 78,3 % der Männer (n = 1328) traten Übelkeit und Erbrechen auf (p
  • Durchfall trat bei 53,8 % der Frauen bzw. 46,9 % der Männer auf (p = 0,027), Stomatitis bei 49,5 % bzw. 40,7 % (p = 0,004) und Alopezie bei 81,4 % bzw. 74,3 % (p = 0,009).
  • Bei 49,3 % der Männer kam es zu einer peripheren Neuropathie, bei den Frauen waren 42,6 % betroffen (p = 0,03).
  • Im Überleben gab es keine signifikanten Unterschiede. Die ORR war bei Männern höher, erreichte aber keine statistische Signifikanz (46,6 % vs 40,4 %, p = 0,051).

 

Einschränkungen

Es ist kein zugrunde liegender Mechanismus bekannt, der diese unterschiedlichen Ergebnisse erklären könnte.

 

Sponsor

National Institute of Health.

 

Expertenmeinung

„Es ist bekannt, dass Männer und Frauen unterschiedlich auf Behandlungen ansprechen. Weil aber niemand erklären kann, warum es diese Unterschiede gibt, werden sie meistens als statistische Artefakte abgetan. Die in dieser Studie verdeutlichten Trends sind für Ärzte im klinischen Alltag nicht wahrnehmbar. Dank der großen Anzahl eingeschlossener Patienten konnte diese Analyse einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern nachweisen. Jetzt müssen wir über die Konsequenzen diskutieren und die zugrunde liegenden Ursachen verstehen.” Michel Ducreux, Leiter der Abteilung für Magen-Darm-Erkrankungen am Institut Gustave Roussy in Villejuif, Frankreich.