ESMO 2017 : Alte Medikamente können auf targetspezifischer Basis durch systematische DNA-Sequenzierung neu positioniert werden: Ergebnisse einer nationalen Studie aus den Niederlanden


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Kernbotschaften

  • Die Gesamtgenomsequenzierung (WGS) kann neue Behandlungen für Patienten ohne Standardtherapie finden und die Neupositionierung alter Medikamente unterstützen.

Relevanz

  • Wenn eine Gesamtgenomsequenzierung für viele Patienten durchgeführt wird, lassen sich Gemeinsamkeiten zwischen Tumoren und Genmutationen feststellen.
  • Der Zugang zu genetisch passenden Medikamenten, die aber für andere Indikationen zugelassen sind, kann im Rahmen eines Programms wie dem in den Niederlanden entwickelten „Drug Rediscovery Protocol“ (DRUP) gewährt werden.

Studienaufbau

  • Patienten mit soliden Tumoren, Glioblastomen, Lymphomen oder multiplen Myelomen wurden in mehrere parallele Kohorten aufgenommen, die jeweils durch 1 Tumortyp, 1 Tumorprofil und 1 Therapie definiert waren.
  • Die Wirksamkeitsanalyse pro Kohorte zielte auf ≥1 klinischen Nutzen (vollständiges Ansprechen, teilweises Ansprechen oder stabile Krankheit ≥16 Wochen) bei 8 Patienten in Stadium I und ≥5 bei 24 Patienten in Stadium II.
  • Es wird eine Tumorbiopsie für Biomarkerforschung durchgeführt.
  • An der Studie beteiligen sich 23 Krankenhäuser.
  • Das DRUP umfasst 19 Studienpräparate.
  • Sponsor: Barcode for Life Foundation (BFL, niederländische Krebsgesellschaft (KWF), Hartwig Medical Foundation (HMF), Amgen, AstraZeneca, Bayer, Bristol-Myers Squibb, Novartis, Roche).

Wichtigste Ergebnisse

  • Die Studie begann im September 2016.
  • Dem Programm wurden 250 Fälle übermittelt, 1/3 davon wurde behandelt.
  • 37 % der behandelten Patienten zeigten einen klinischen Nutzen (6 % vollständiges Ansprechen, 14 % teilweises Ansprechen, 17 % stabile Krankheit ≥16 Wochen).
  • 18 % der Fälle wurden als ungeeignet abgelehnt (hauptsächlich wegen fehlender Verfügbarkeit passender Arzneimittelstudien im DRUP oder keinem Target-Medikamenten-Match).

Einschränkungen

  • Der Effekt der Gesamtgenomsequenzierung wäre größer, wenn mehr Medikamente in das „Drug Rediscovery Protocol“ aufgenommen würden.

Expertenmeinung

  • Dr. Richard Marais vom Cancer Research UK Manchester Institute sagte:„Die Ganzgenomsequenzierung ist sehr teuer, sodass die Studie zeigen muss, dass dies eine kostengünstige Strategie mit Patientennutzen sein kann. Bei einer Stratifizierung von nur 10 % der Studienteilnehmer wäre das Verfahren kostenneutral. Für die Gesundheitssysteme würde dies bedeuten, dass nach hohen Anfangsinvestitionen ein großer Nutzen für die Patienten und enorme Einsparmöglichkeiten bei den Therapiekosten zu erwarten sind. In diesem Kontext sind die hier vorgestellten Zahlen sehr beeindruckend. Sie haben auf jeden Fall die grundsätzliche Machbarkeit bewiesen.“