Ertugliflozin-Studie: gemischte Daten zum kardiovaskulären Nutzen

  • American Diabetes Association/American College of Cardiology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der SGLT-2-Hemmer Ertugliflozin hat in einer kardiovaskulären Outcome-Studie nicht ganz die Erwartungen erfüllt: Im Gegensatz zu anderen Gliflozinen hat sich das Gliflozin in der Placebo-kontrollierten VERTIS-CV-Studie nur als nicht unterlegen erwiesen. Allein bei der Rate herzinsuffizienz-bedingter Klinikaufenthalte wurde eine signifikante Risikoreduktion festgestellt. 

Hintergrund

Neue Antidiabetika müssen seit einigen Jahren in kardiovaskulären Outcome-Studien belegen, dass sie zumindest kardiovaskulär sicher sind. Für mehrere neue Wirkstoffe liegen inzwischen nicht nur Sicherheits-Belege vor, sondern auch Daten, die ihre kardio- und renoprotektive Wirksamkeit zeigen. Zu diesen Wirkstoffen zählen insbesondere die SGLT-2-Hemmer bzw. Gliflozine. Mit der VERTIS-CV-Studie liegen nun auch die Daten zu Ertugliflozin vor. Die Ergebnisse sind kürzlich beim Kongress der „American Diabetes Association“ präsentiert worden.

Design

Randomisierte und placebo-kontrollierte Studie, an der rund 8200 Typ-2-Diabetiker mit atherosklerotisch bedingten kardiovaskulären Erkrankungen teilnahmen. 30 Prozent der im Mittel 64 Jahre alten Studienteilnehmer waren Frauen. Die Beobachtungsdauer betrug 3,5 Jahre. Knapp 24 Prozent der Patienten hatten eine Herzinsuffizienz-Diagnose. Primärer Endpunkt war die Häufigkeit schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (MACE: major cardiovascular events). Ausgewertet wurde auf Nicht-Unterlegenheit des Gliflozins und auf Überlegenheit. Geprüft wurden zwei Dosierungen von Ertugliflozin (5 und 15 Gramm). 5499 Teilnehmer erhielten das Gliflozin, 2747 das Placebo. 

Hauptergebnisse

Die Auswertung des primären Endpunktes auf Nicht-Unterlegenheit ergab bei einem Anteil von je 11,9 Prozent pro Gruppe eine HR (hazard ratio) von 0,97 (95,6% CI: 0,85-1,11, p

Hauptgrund für das unbefriedigende Ergebnis war das Abschneiden beim Parameter kardiovaskulärer Tod (1,8 versus 1,9 Prozent, p = 0,39). Die Berechnung der HR für den Einzelparameter kardiovaskulärer Tod ergab 0,92 (95,8% CI, 0,77-1,11).

Besser schnitt das Gliflozin bei dem Einzelendpunkt Herzinsuffizienz-bedingte Hospitalisierung ab (2,5% vs. 3,6%; p = 0,006). Die HR betrug hier 0,70 (95% CI: 0,54-0,90). 

Beim kombinierten renalen Endpunkt wurde ein positiver Trend zu Gunsten des SGLT-2-Hemmers festgestellt. Die HR betrug 0,81 (95,8% CI: 0,63-1,04). Das Ergebnis war bei Auswertung auf Überlegenheit statistisch jedoch nicht signifikant. 

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass der Effekt auf die Herzinsuffizienz, der auch in anderen Studien mit SGLT-2-Hemmern festgestellt wurde, ein Klassen-Effekt ist. Ertugliflozin wird daher auch noch in Studien mit Herzinsuffizienz-Patienten geprüft (ERADICATE-HF und EMMED-HF). Insgesamt stützen die Daten den Stellenwert, den Gliflozine in Leitlinien zum Diabetes-Management bekommen haben. Dass Ertugliflozin beim primären kardiovaskulären Endpunkt und auch beim renalen Endpunkt nicht so gut abgeschnitten hat wie zuvor andere Gliflozine, ist zwar enttäuschend. Für eine definitive Beurteilung fehlen aber Direkt-Vergleiche der Gliflozine.

Finanzierung: MSD und Pfizer