Erstmals internationaler Konsens zur optimalen Verwendung von Spenderblut


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ein internationales Expertenkommittee unter Federführung deutscher Hämatologen hat zu den wichtigsten Fragestellungen einer sicheren und rationalen Therapie mit Erythrozytenkonzentraten Empfehlungen veröffentlicht. Konkret wird die Frage beantwortet, welche Patienten ab welchen Hämoglobin-Schwellenwerten am meisten von einer Hämotherapie mit Spenderblut profitieren.

Hintergrund
 

Die Transfusion von Erythrozyten ist eine häufige, oft auch lebensrettende Therapie und zugleich eine Gratwanderung zwischen medizinisch Notwendigem und einem ressourcensparenden Umgang mit Blutkomponenten. Die Hämotherapie sollte gezielt erfolgen, um den Empfänger optimal zu versorgen, aber auch Fremds pender nicht unnötig zu beanspruchen. Bislang gab es nationale Richt- und Leitlinien, auch in Deutschland. Nun ist auf Basis einer internationalen Tagung zum Blutmanagement, die im April letzten Jahres in Frankfurt a.M. stattfand, ein Konsensuspapier veröffentlicht worden.

Design

  • Vorbereitungsphase unter Federführung deutscher Hämatologen mit der Erarbeitung von Fragestellungen, die klinisch und wissenschaftlich vorrangig sind
  • Sichtung von 1500 Studien, davon wurden 145 als aussagekräftig berücksichtigt
  • Empfehlungen zu 3 Schwerpunkten:
    • präoperative Anämie,
    • Hämoglobin-Schwellenwerte für die Anwendung von Erythrozytenkonzentraten (EK)
    • Implementierung von Konzepten zum Blood Management (PBM) in den Kliniken

Hauptergebnisse

Zum Schwerpunkt präoperative Anämie - sie tritt bei circa jedem 3. Patienten auf - ist die Empfehlung, bei elektiven, größeren Operationen (mindestens 4 Tage präoperativ) generell auf Anämie zu screenen und bei Eisenmangel entsprechend Eisen zu supplementieren, um die Transfusionsraten zu reduzieren. Die Gabe von Substanzen, die die Erythropoese stimulieren (ESA), wird nicht generell bei präoperativer Anämie empfohlen, sondern möglichst als Kombinationsbehandlung mit der Eisensupplementation und dann mit kurzwirksamen ESA bei einem Hb

Die Gabe von EK sollte tendenziell eher restriktiv als liberal erfolgen. Als Schwellenwert für die Therapie mit EK wird

  • bei kritisch kranken, aber stabilen Patienten ein Hb-Wert von
  • bei Patienten, die am Herzen operiert werden, ein Schwellenwert von
  • für Patienten mit Hüftfrakturen und kardiovaskulären Erkrankungen oder anderen Risikofaktoren

Es wird generell geraten, PBM-Programme an den Kliniken zu implementieren und computerbasierte Unterstützungssysteme für die optimale Verwendung von Spenderblut zu nutzen.

Klinische Bedeutung

Die Experten betonen, dass die Nutzen-Risiko-Abwägung individuell erfolgen muss und sie lediglich Schwellenwerte empfehlen, oberhalb derer EK-Infusionen im Allgemeinen sicher vermieden werden können. Für einige Patientenpopulationen sei in prospektiv randomisierten Studien belegt, dass sie von einer restriktiven Transfusionsstrategie im Vergleich zu einer liberalen profitieren. Die Eigenblutspende war kein Thema, ihre Bedeutung gilt als vergleichsweise gering.

In Deutschland werden jährlich circa 3,5 Mio Erythrozytenkonzentrate infundiert.
 

Finanzierung: keine Interessenkonflikte