Erster Verdachtsfall auf Fleckfieber-Übertragung durch tropische Zecke in Deutschland

  • Universität Hohenheim

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

In Deutschland ist vermutlich zum ersten Mal ein Mensch, und zwar ein Pferdebesitzer, nach einem Stich der  tropischen Hyalomma-Zecke, die nachweislich den Fleckfieber-Erreger trug, an Rickettsiose erkrankt. „Damit wissen wir jetzt nicht nur sicher, dass die Hyalomma-Zecke auch an Menschen geht“, so Professor Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim, „sondern es besteht leider auch der dringende Verdacht, dass hier in Deutschland eine Übertragung des Zeckenfleckfiebers durch die Tiere tatsächlich möglich ist.“ Rickettsien sind allerdings die einzigen Erreger, die die Wissenschaftler bisher nachweisen konnten. Das Virus des gefährlichen Krim-Kongo-Fiebers oder die Krankheitserreger Theileria equi und Babesia caballi, die beide von Zecken auf Pferde übertragen werden können, wurden nicht gefunden.

Die Krankheitsgeschichte

Ende Juli wurde der Pferdebesitzer aus der Nähe von Siegen von einer Hyalomma-Zecke gestochen. Die Übeltäterin schickte er an die Zeckenforscherin in Hohenheim. Nur wenige Tage später kam er mit schweren Krankheitssymptomen ins Krankenhaus. Der Verdacht: Zecken-Fleckfieber, verursacht vom Bakterium Rickettsia aeschlimannii. Die Zecke wurde per Kurierdienst an das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) nach München gesandt, wo der Erreger in der Zecke nachgewiesen werden konnte. Darauf wurde der Patient erfolgreich mit Antibiotika behandelt.

Nur eine Verdacht?

„Dass wir von einem Verdachtsfall sprechen, liegt daran, dass ein Direktnachweis des Erregers am Patienten nicht möglich war“, erläutert Privatdozent Dr. Gerhard Dobler vom IMB, „Die Behandlung des Patienten stand einfach an erster Stelle. Doch der unmittelbar vorausgegangene Zeckenstich, die typischen Symptome und vor allem der Nachweis des Erregers in der Zecke legen den Schluss nahe, als dass es sich bei dem Fall um Zecken-Fleckfieber handelte.“ Auch die Tatsache, dass die Antibiotika-Therapie sofort anschlug, unterstreiche dies.

Typisch für Zecken-Fleckfieber: der Hautausschlag

Rickettsia aeschlimannii verursacht einen fieberhaften Infekt mit Kopf- und Muskelschmerzen, extremen Gelenkschmerzen und einem Gefühl, als würde man verbrennen. Typisch für die Erkrankung ist jedoch der Hautausschlag, der dem Fleckfieber den Namen gab: Vor allem an den Extremitäten zeigt sich dieses klassische Zeichen. Die Inkubationszeit beträgt etwa eine Woche.

„Bei Verdacht auf Fleckfieber nach einem Hyalomma-Stich sollte an der Stichstelle ein Wundabstrich genommen und zur Untersuchung eingeschickt werden“, rät Dobler. „Wer unsicher ist, kann gerne mit uns Kontakt aufnehmen. Ideal ist natürlich, wenn wir auch die Zecke untersuchen können.“