Erste S3-Leitlinie zum Peniskarzinom erschienen

  • Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) wurde im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie die erste S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms erstellt. Ziel der Leitlinie ist es, die Versorgung von Betroffenen in frühen und späteren Erkrankungsstadien zu optimieren und somit eine verbesserte Lebensqualität zu erreichen. Zudem wurden in die Behandlungsempfehlungen auch psychoonkologische Maßnahmen aufgenommen.

Auf Grundlage von systematischen Evidenzsynthesen wurde erstmalig ein Behandlungsstandard für diese seltene Tumorerkrankung geschaffen, heißt es in einer Mitteilung der Fachgesellschaft. Im Mittelpunkt der S3-Leitlinie stehen inhaltliche Handlungsempfehlungen zu Diagnostik und Sta­diendiagnose sowie zur Therapie des Primärtumors, des Managements von regio­nären Lymphknoten sowie des Managements von metastasierten Stadien.

Evidenzbasierte Empfehlungen zu verschiedenen Erkrankungsstadien

„Ist die Erkrankung noch nicht weit fortgeschritten, stehen die lokale Tumorkontrolle und der Organerhalt im Vordergrund“, wird Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Oliver Hakenberg von der Universitätsmedizin Rostock zitiert. So stehen für die Behandlung des Primärtumors verschiedene Therapien zu Verfügung, etwa eine Operation, Laserablation, Strahlentherapie und eine medikamentöse Therapie.

Eine besondere Herausforderung stellt laut der Leitlinie das metastasierte Peniskarzinom dar. Gründe dafür sind sowohl die schlechte Prognose als auch die begrenzten Studiendaten. Die Empfehlung lautet daher bei einer fortgeschrittenen Erkrankung und auch im Falle einer multimodalen Therapie ein interdisziplinäres Tumorboard zur Therapieentscheidung heranzuziehen.  

Patientenaufklärung im Fokus

An einem Peniskarzinom zu erkranken, beeinflusse die Lebensqualität und Sexualität der Betroffenen in besonderem Maße, schreiben die Autoren. Bereits mit Diagnosestellung sollten daher die behandelnden Ärzte ihre Patienten angemessen aufklären. „Dazu gehört, die Patienten über fertilitätserhaltende Maßnahmen, aber auch über soziale, finanzielle und psychoonkologische Unterstützung zu informieren“, sagt Hakenberg. Laut Leitlinie sollten außerdem alle Patienten ein Screening auf psychosoziale Belastungen erhalten.

Das Peniskarzinom gehört zu den seltenen Tumorerkrankungen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sind in Deutschland im Jahr 2014 insgesamt 950 Männern neu daran erkrankt. Im gleichen Jahr verstarben 197 Betroffene an einem Peniskarzinom. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem HPV-Infektionen, Vorhautverengungen, eine lange Vorhaut sowie eine mangelhafte Genitalhygiene.