Erste S3-Leitlinie zum Analkarzinom veröffentlicht

  • Deutsche Krebsgesellschaft (DKG)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie (DGK) erstmals eine S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Analkanal- und Analrandkarzinomen erstellt.

Diagnose durch unterschiedliche Fachdisziplinen

Das Analkarzinom ist im Vergleich zu anderen gastrointestinalen Tumoren relativ selten. Auch die Versorgung von Erkrankten ist bislang sehr heterogen. So werde die Primärdiagnostik von unterschiedlichen Fachdisziplinen durchgeführt, etwa mit dermatologischer oder gastroenterologischer Ausrichtung, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). „Bisher gab es in der Fläche wenig Erfahrung in der Diagnostik, Therapie und Nachsorge“, sagt Felix Aigner, Koordinator der neuen Leitlinie.

Die S3-Leitlinie, an deren Erstellung 26 Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt waren, enthält Empfehlungen für die Primärdiagnostik, die Therapieentscheidung (insbesondere die kurative operative Resektion vs. kurative Radiochemotherapie), die Responsebeurteilung nach Radiochemotherapie und die Nachsorge nach kurativer Behandlung. Kriterien für eine gemeinsame Entscheidungsfindung („shared decision making“) insbesondere in Bezug auf die Endpunkte Überleben, Rezidivfreiheit, Stuhlkontinenz und Überleben ohne Stoma sollen laut DGK ebenfalls durch die Leitlinie bereit gestellt werden.

Neuerkrankungsrate steigt laut RKI

Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) erkrankten im Jahr 2016 1.320 Frauen und 830 Männer an einem Analkarzinom. Während die Erkrankungsraten beim Darmkrebs abnehmen, steigt sowohl die Neuerkrankungsrate als auch die Sterberate beim Analkarzinom in den letzten 15 Jahren an.

Im Jahr 2016 starben RKI-Angaben zufolge 308 Frauen und 204 Männer an Analkrebs. Zu den Risikogruppen zählen unter anderem HPV- und HIV-infizierte Menschen. Zudem haben auch Patientinnen mit Gebärmutterhals- und Vulvakrebs ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.