„Erste randomisierte Studie“: Verständlichkeit von Parkinson-Patienten nach Stimmtraining verbessert

  • Lancet EClinical Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Verständlichkeit von Parkinson-Patienten mit Sprechstörungen kann durch Schulungen von spezialisierten Logopäden deutlich verbessert werden. Dies gilt allerdings nur für das Training der Stimme, nicht dagegen für ein Artikulationstraining.

Hintergrund

Störungen der Sprache sind bei Menschen mit Parkinson sehr häufig. Die Autoren der aktuellen Arbeit nennen einen Anteil von nahe 90 %, sodass deren Verständlichkeit gefährdet ist und die Kommunikationsfähigkeit und die Lebensqualität darunter leiden. Trotz zahlreicher Studien sei aber noch nicht untersucht worden, ob die Patienten nach einer Sprachtherapie leichter zu verstehen seien.

Design

Randomisierte, kontrollierte, unizentrische Studie mit 57 Patienten, die infolge einer Parkinson-Erkrankung an einer hypokinetischen Dysarthrie litten. Sie erhielten durch Logopäden, die auf Parkinson spezialisiert waren:

  • eine intensive Sprachtherapie mit 16 einstündigen Sitzungen binnen eines Monats zur Schulung der Stimme
  • eine ebenso intensive Schulung der Artikulation, oder
  • sie blieben unbehandelt (Kontrollgruppe).

Die Verständlichkeit wurde durch 117 verblindete Zuhörer gemessen, die Sprechproben der Patienten hörten und niederschrieben. Maßstab war dabei die Genauigkeit der Abschriften (TA, Prozentsatz der richtig geschriebenen Worte) im Vergleich vor und nach der Therapie.

Ergebnisse

  • Die Veränderung in den 3 Gruppen war wie folgt:
    • Stimmtraining: vorher 53,6 %, danach 85,1 %, Differenz 31,5 %
    • Artikulationstraining: vorher 44,8 %, danach 51,6 %, Differenz 6,8 %
    • Kontrollgruppe: vorher 64,4 %, danach 52,5 %, Differenz – 11,9 %.
  • Die Differenz zwischen Stimmtraining und Artikulationstraining von 26,2 Prozentpunkten war statistisch signifikant (p = 0,04) bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,5 – 51.
  • Stimmtraining war hochsignifikant besser als gar kein Training (p = 0,0002), der Unterschied zwischen Artikulationstraining und Kontrollgruppe war dagegen nicht signifikant (p = 0,147).

Klinische Bedeutung

Nach Angaben der Autoren handelt es sich um die erste randomisierte kontrollierte Studie, die dokumentiert, dass ein Stimmtraining die Verständlichkeit von Parkinson-Patienten verbessert. Auch wenn die entsprechenden Untersuchungen nicht gemacht wurden scheint es plausibel, dass mit diesen Verbesserungen auch die Lebensqualität der Patienten verbessert wird.

Finanzierung: National Institutes of Health, LSVT Global, Inc.