ERS 2019 – Klinische Studien zu COPD: neue Moleküle und neuartige Erkenntnisse


  • Eliana Mesa
  • Conference Reports
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Eine Studie zielte darauf ab, den Einfluss zu untersuchen, den mit COPD-Symptomen verbundene Attacken auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) und das Risiko mäßiger/schwerer Exazerbationen haben. Für die Beurteilung der HRQoL wurde der Score des „St George’s Respiratory Questionnaire“ (SGRQ) nach Attacken verwendet, und es wurde der durchschnittliche Score über 26 Wochen bei Patienten ohne Attacken ermittelt. Das Verhältnis zwischen Attacken und mäßigen/schweren Exazerbationen wurde mit einem zeitabhängigen Faktor evaluiert. Die HRQoL war bei Patienten, die mit COPD-Symptomen verbundene Attacken hatten, signifikant schlechter. Außerdem erhöhte jede Attacke das Risiko für nachfolgende mäßige/schwere Exazerbationen und die Häufigkeit der Attacken erhöhte das Risiko einer mäßigen/schweren Exazerbation.

Ein zweiter Vortrag beschäftigte sich mit einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie, die den Effekt einer dualen Bronchodilatator-Therapie (Glycopyrrolat/Formoterol-Fumarat) auf den Anstieg der körperlichen Belastbarkeit während eines Fahrrad-Ergometer-Tests mit hochintensiver konstanter Arbeitsleistung (constant work rate, CWR) untersuchte. Die duale Bronchodilatator-Therapie erhöhte die körperliche Belastbarkeit bei COPD-Patienten, wobei die größten Veränderungen bei Patienten mit schwerer COPD beobachtet wurden. Dieser Effekt wurde von einer abgeschwächten dynamischen Hyperinflation begleitet. Auch eine Änderung des Verhältnisses des Atemzugvolumens zum Totraum (Vd/Vt) veränderte die Beatmungspflichtigkeit nicht.

Eine Post-hoc-Analyse der Studie IMPACT untersuchte, ob eine Zählung der Eosinophilen im Blut (blood eosinophil count, BEC) ausreichend ist, um das Ansprechen auf inhalative Kortikosteroide (ICS) bei COPD vorherzusagen.  Modellierung der Wirkung von Fluticason-Furoat/Umeclidinium/Vilanterol (FF/UMEC/VI) versus UMEC/VI und FF/VI versus UMEC/VI auf die Rate mäßiger/schwerer Exazerbationen bei Anwendung kontinuierlicher BEC: Es wurden zwei Messungen vorgenommen, die eine beim Screening, die andere nach der Randomisierung. Es wurden der Durchschnitt, das Minimum und das Maximum dieser beiden Werte ermittelt. Alle Modelle waren vergleichbar. Jede der BEC-Messungen führte zu einer beträchtlichen Verbesserung des Modells im Vergleich zu keiner Messung.  Aber zwei BEC-Werte im Vergleich zu einem Wert scheinen keine zusätzlichen Informationen für die Vorhersage des ICS-Ansprechens bei COPD zu liefern.

Eine prospektive, multizentrische Studie mit 42 Patienten analysierte die Wirkung einer kontinuierlichen Behandlung mit oralem Azithromycin auf die Lungenfunktion und die körperliche Belastbarkeit bei schwerer COPD sowie die Beziehung zu systemischer Entzündung. Nach 3-monatiger Behandlung wurde eine signifikante Reduzierung der Symptom- und Exazerbationsraten beobachtet. Es wurden keine funktionalen Veränderungen festgestellt, außer einem Anstieg des PaO2. Auch bei den meisten Entzündungsparametern wurden keine signifikanten Rückgänge gemessen. Daraus wurde geschlossen, dass eine kontinuierliche Behandlung mit Azithromycin bei Patienten mit schwerer COPD die Symptome und Exazerbationsraten senkt, den funktionalen Status verbessert und mit einer Reduzierung der Entzündung verbunden ist.

In einer randomisierten, doppelblinden, 24-wöchigen Doppel-Dummy-Studie wurde ein neuartiger inhalativer Phosphodiesterase-4-Inhibitor (PDE4i) – CHF6001 – untersucht. Die Patienten erhielten entweder CHF6001 (800, 1600, 2400 oder 3200 µg täglich), Budesonid DPI 800 µg täglich oder Placebo als Add-on zur Erhaltungstherapie (Formoterol 24 µg). Nach 24-wöchiger Behandlung wurden keine signifikanten Unterschiede bei der Lungenfunktion in irgendeiner der Behandlungsgruppen gegenüber Placebo beobachtet. CHF6001 verringerte die Rate der mäßigen/schweren Exazerbationen im Vergleich zu Placebo. Die Verringerung war in der Teilgruppe der Patienten mit chronischer Bronchitis größer. Alle Dosen CHF6001 erwiesen sich als sicher und gut verträglich, bemerkenswerterweise auch bezüglich gastrointestinaler Nebenwirkungen.

In einer laufenden Studie mit COPD-Patienten ohne (Teil 1) und mit (Teil 2) bestätigter Virusinfektion der Atemwege sollen das Ansprechen antiviraler Biomarker und die klinischen Wirkungen von inhaliertem IFN-β im Vergleich zu Placebo beurteilt werden. In Teil 1 erhielten 10 Patienten täglich 3 Dosen IFN-β (6 MIU) oder Placebo (Verhältnis 8:2). Es wurde die Genexpression (Mx1, OAS1, IFIT2, GBP1 und CXCL10) von Sputumzellen bestimmt. Alle antiviralen Biomarker waren 24 Stunden nach der Dosis signifikant hochreguliert im Vergleich zur Baseline (p 

Eine beobachterverblindete, kontrollierte Studie untersuche 40- bis 80-jährige COPD-Patienten, die im Abstand von 60 Tagen 2 Dosen eines adjuvanten Impfstoffs gegen Nontypeable Haemophilus influenzae (NTHi) (NTHi-Gruppe n = 73) oder Placebo (Kontrollgruppe n = 72) bekamen. Die Wirksamkeit des Impfstoffs wurde zu mehreren Zeitpunkten anhand akuter Exazerbationen der COPD (AECOPD) beurteilt. Außerdem wurden die Zeit bis zur ersten AECOPD und das Vorhandensein von Hi im Sputum erfasst. In der NTHi-Gruppe wurde ein genereller Trend zu einer geringeren Exazerbationsrate beobachtet. Die Wirksamkeit war tendenziell höher, da das Einsetzen der ersten AECOPD nach der NTHi-Impfung später als in der Kontrollgruppe auftrat. Allerdings hatte die Studie nicht die Power, den Einfluss der Impfung zu beurteilen.

Im letzten Vortrag wurde eine Einzeldosisstudie in Parallelgruppen zur Untersuchung der Wirkung von Ensifentrin (RPL554) vorgestellt, das COPD-Patienten in einem Trockenpulver-Inhalator verabreicht wurde. Dieser in der Prüfung befindliche, inhalative duale Inhibitor der Enzyme PDE 3 und 4 ist der erste seiner Klasse und verbindet bronchodilatatorische und entzündungshemmende Wirkungen in einem Mittel. Die Studie untersuchte die bronchodilatatorischen Wirkungen, die Sicherheit und die Verträglichkeit einer Einzeldosis Ensifentrin (150, 500, 1500, 3000 und 6000 µg) gegenüber Placebo an 37 Patienten. Es wurde eine effektive, dosisabhängige Bronchodilatation mit einer mittleren Änderung gegenüber Baseline im durchschnittlichen und Peak-FEV-1 über 4 Stunden beobachtet. Es wurden keine signifikanten unerwünschten Ereignisse gemeldet. Darüber hinaus wurden bei keiner der Ensifentrin-Dosen statistische Unterschiede gegenüber Placebo bezüglich Herz- oder Pulsfrequenz festgestellt.