Erneut schlechte Nachrichten für Fans von Nahrungsergänzungsmitteln

  • Annals of Internal Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Reduzierter Salz-Konsum, Omega-3-Fettsäuren und Folsäure reduzieren möglicherweise das Risiko für manche kardiovaskulären Ereignisse; Kalzium plus Vitamin D erhöhen hingegen vielleicht das Schlaganfall-Risiko. Insgesamt ist die Evidenz mäßig.

Hintergrund

Viele Menschen wollen etwas für ihre Gesundheit tun und greifen daher zu Nahrungsergänzungsmitteln. Über den Nutzen, etwa für die kardiovaskuläre Prävention und Therapie, wird seit Jahren immer wieder diskutiert, nicht selten kontrovers. Die Autoren der vorliegenden Publikation haben nun aufgrund des ihren Angaben zufolge unklaren Nutzens eine systematische Analyse von randomisierten und kontrollierten Studien sowie von Metaanalysen solcher Studien vorgenommen.

Design

Ausgewertet wurden Daten von fast einer Millionen Studienteilnehmern (277 Studien). Die Qualität der Studien und die Sicherheit der Belege (bzw. Evidenz) wurden von zwei Wissenschaftlern unabhängig voneinander beurteilt. 

Hauptergebnisse

  • Die Analyse ergab eine moderate Evidenz dafür, dass ein reduzierter Salz-Konsum bei normotensiven Personen mit einem verminderten Risiko für Gesamt-Mortalität (RR 0,90; 95% CI 0,85 - 0,95) einhergeht und bei hypertensiven Personen mit einer Reduktion des kardiovaskulären Mortalitätrisikos (RR 0,67; CI 0,46 - 0,99).
  • Geringe Evidenz ergab sich dafür, dass Omega-3-Fettsäuren mit einem verminderten Myokardinfarkt-Risiko (RR 0,92; CI 0,85 - 0,99) und einer Reduktion des KHK-Risikos assoziiert sind (RR 0,93; CI 0,89 - 0,98).
  • Für Folsäure ergab sich bei geringer Evidenz eine Reduktion des Schlaganfall-Risikos (RR 0,80; CI 0,67 - 0,96).
  • Für die Kombination von Kalzium plus Vitamin D ergaben die Berechnungen ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko (RR 1,17; CI 1,05 - 130; moderate Evidenz). 
  • Für andere Nahrungsergänzungsmittel (etwa Vitamin B6, Vitamin A, Multivitamine, Antioxidanzien) und Diät-Interventionen (z.B. reduzierte Fettaufnahme) ergab die Analyse keine signifikanten Effekte.

Klinische Bedeutung

Insgesamt lassen die Ergebnisse auch dieser Studien-Analyse schlussfolgern, dass die meisten Nahrungsergänzungsmittel aus kardiovaskulärer Sicht wahrscheinlich nutzlos sind; allein für Folsäure und Omega-3-Fettsäuren sowie für reduzierten Salz-Konsum fanden sich zarte positive Signale. Positives hat außerdem auch eine viel diskutierte Studie (REDUCE IT) gezeigt: Danach kann ein hoch-dosiertes Omega-3-Fettsäuren-Präparat Patienten mit erhöhten Triglyzerid-Werten unter Statin-Therapie offenbar doch vor kardiovaskulären Ereignissen schützen. Es wird daher vermutlich weiterhin Diskussionen und Studien zu diesem Thema geben, zumal positive Effekte ohnehin nie mit absoluter Sicherheit auszuschließen sind. Gleichwohl ist es im Moment kaum unberechtigt, Patienten zu empfehlen, ihr Geld statt für Nahrungsergänzungsmittel, für Wander- und Joggingschuhe auszugeben, wenn sie etwas für ihr Herz und ihre Gefäße tun wollen.

Finanzierung: keine