Erkrankungen der Leber: wesentliche Erkenntnisse im August 2017  


  • Studien - kurz & knapp
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Die 4 wesentlichen Studien zu Erkrankungen der Leber diesen Monat, ausgewählt aus 300 Peer-Review-Studien

1. Die US-amerikanische Food and Drug Administration genehmigte die einmal tägliche Anwendung von SOF/VEL/VOX zur Behandlung der HCV-Genotypen (GT) 1–6 bei Patienten mit leichter bis keiner Zirrhose. Die Kombinationstablette mit festgelegter Dosis ergänzt Sofosbuvir/Velpatasvir (SOF/VEL) durch Voxilaprevir, einen neuen Wirkstoff. Hierbei handelt es sich um die erste Option, die für Patienten genehmigt wurde, bei denen eine Behandlung mit Sofosbuvir oder NS5A-Inhibitoren versagt hat. Der Genehmigung wurde der Status des beschleunigten Verfahrens (Priority Review) und einer Durchbruchtherapie (Breakthrough Therapy) gewährt. Siehe unsere Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des Artikels der FDA unten.

2. Grazoprevir/Uprifosbuvir/Ruzasvir mit/ohne Ribavirin ist für die Clearance von HCV nach einem Versagen der Regimes mit NS5A-Inhibitor enthaltenden, oral einzunehmenden, direkt wirkenden Antiviralia (DAA) hochwirksam. Die Optionen von Patienten, bei denen DAA versagt haben, sind begrenzt. Grazoprevir/Uprifosbuvir/Ruzasvir kombiniert einen NS3-Proteaseinhibitor, einen Nukleotid-NS5B-Polymeraseinhibitor und einen NS5A-Inhibitor. Siehe unsere Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des Artikels aus Hepatology unten.

3. Eine in die elektronischen Patientenakten integrierte Benachrichtigung nach dem Prinzip der besten Praxis erhöht HCV-Tests bei Baby-Boomern (Geburtenjahrgänge 1945–1965) signifikant. Eine Verbindung zur Behandlung ist weiterhin problematisch. Allen Baby-Boomern wird ein einmaliger HCV-Test empfohlen, doch bleibt die Deckungsrate gering. Siehe unsere Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des Artikels aus Hepatology unten.

4. Anämie, Hypotonie, Aszites sowie der MELD-Score (Model for end-stage liver disease score) erlauben Voraussagen über akut-auf-chronisches Leberversagen (ACLV) bei ambulanten Patienten mit Zirrhose. Die Identifizierung von Hochrisikopatienten ermöglicht Überwachung und Präventionsstrategien. Anämie stellt ein potenzielles neues Ziel für Präventivmaßnahmen dar. Siehe unsere Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des Artikels aus J Hepatol unten.

1. HCV: FDA erteilt grünes Licht für SOF/VEL/VOX-Salvage-Therapie



Quelle: FDA

Erkenntnis
  • Die US-amerikanische Food and Drug Administration genehmigte die einmal tägliche Anwendung von SOF/VEL/VOX zur Behandlung der HCV-Genotypen (GT) 1–6 bei Patienten mit leichter bis keiner Zirrhose.
  • Die Kombinationstablette mit festgelegter Dosis ergänzt Sofosbuvir/Velpatasvir (SOF/VEL) durch den neuen Wirkstoff Voxilaprevir (VOX).
Wesentliche Ergebnisse
  • In POLARIS-1 (n = 415; 41 % mit Zirrhose) führte die 12-wöchige Behandlung bei Patienten mit GT 1–6, die zuvor NS5A-Inhibitoren erhalten hatten, mit SOF/VEL/VOX zu einer SVR12-Rate von 96 % (vs. 0 % mit Placebo).
  • In POLARIS-4 (n = 333; 46 % mit Zirrhose) war die 12-wöchige Behandlung mit SOF/VEL/VOX der Behandlung mit SOF/VEL bei Patienten mit GT 1, GT 2 oder GT 3, die zuvor SOF-basierte Regimes erhalten hatten (einschließlich Patienten mit Zirrhose [98 % vs. 86 %]), insgesamt überlegen (98 % vs. 90 %).
Studiendesign
  • Die Genehmigung basierte auf Daten von zwei randomisierten, klinischen Phase-III-Studien: POLARIS-1 und POLARIS-4.
  • Der primäre Endpunkt war das anhaltende virologische Ansprechen 12 Wochen nach der Therapie (SVR12).
  • Finanzierung: Gilead.
Warum das wichtig ist
  • Hierbei handelt es sich um die erste Option, die für Patienten genehmigt wurde, bei denen eine Behandlung mit Sofosbuvir oder NS5A-Inhibitoren versagt hat.
  • Der Genehmigung wurde der Status des beschleunigten Verfahrens (Priority Review) und einer Durchbruchtherapie gewährt.

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2. HCV: Dreifach-Salvage-Therapie liefert beeindruckende Ergebnisse



Quelle: Hepatology

Erkenntnis
  • Grazoprevir/Uprifosbuvir/Ruzasvir mit/ohne Ribavirin (RBV) ist für die Clearance von HCV nach einem Versagen der Regimes mit NS5A-Inhibitoren enthaltenden, oral einzunehmenden, direkt wirkenden Antiviralia (DAA) hochwirksam.
Wesentliche Ergebnisse
  • Das gesamte anhaltende virologische Ansprechen in Woche 12 nach der Therapie (SVR12) lag bei 98,3 % (115/117).
  • C-SURGE: Die SVR12-Rate lag bei der Behandlung von HCV-1 (1a: 86 %) mit dem 24-wöchigen Regime ohne RBV (n = 49) bei 100 % und mit dem 16-wöchigen Regime mit RBV (n = 43/44) bei 97,7 %; 1 Patient wurde als Lost-to-Follow-up eingestuft.
  • C-CREST: Die SVR12-Rate lag mit dem 16-wöchigen Regime mit RBV bei der Behandlung von HCV-1 (n = 2) bei 100 %, bei der Behandlung von HCV-2 (n = 13/14) bei 92,9 % und bei der Behandlung von HCV-3 (n = 8) bei 100 %; 1 Patient brach die Behandlung nach 1 Dosis aufgrund von schwerem Erbrechen/schwerer Tachykardie ab.
  • Das Vorhandensein von Resistenz-assoziierten Substitutionen (RAS) zur Baseline hatte keine Auswirkungen auf das SVR12; in der Studie C-SURGE wiesen 84 % NS5A-RAS und 65 % NS3-RAS auf.
Studiendesign
  • 2 internationale Open-Label-Studien der Phase-II mit Patienten, die nach ausschließlich oral verabreichten, NS5A-Inhibitoren enthaltenden Regimes ein Rezidiv erlitten hatten: C-SURGE (n = 93) und C-CREST, Teil C (n = 24).
  • Alle erhielten 16 Wochen (mit RBV) oder 24 Wochen (ohne RBV) lang die Salvage-Therapie mit Grazoprevir/Uprifosbuvir/Ruzasvir.
  • Primärer Endpunkt: SVR12.
  • Finanzierung: Merck.
Warum das wichtig ist
  • Die Optionen von Patienten, bei denen DAA versagt haben, sind begrenzt.
  • Grazoprevir/Uprifosbuvir/Ruzasvir kombiniert einen NS3-Proteaseinhibitor, einen Nukleotid-NS5B-Polymeraseinhibitor und einen NS5A-Inhibitor.

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3. EPA-Benachrichtigung erhöht HCV-Screening bei Baby-Boomern



Quelle: 
Hepatology 

Erkenntnis
  • Eine in die elektronischen Patientenakten (EPA) integrierte Benachrichtigung nach dem Prinzip der besten Praxis (best practice alert, BPA) erhöht HCV-Tests bei Baby-Boomern (Geburtenjahrgänge 1945–1965) signifikant.
  • Eine Verbindung zur Behandlung ist weiterhin problematisch.
Wesentliche Ergebnisse
  • In den 3 Jahren vor der BPA suchten 52.660 Baby-Boomer einen Primärversorger auf; 28 % wurden gescreent.
  • In den 6 Monaten vor der BPA betrug die Screeningrate 7,6 %.
  • Innerhalb 1 Jahres ab der BPA stieg die Screeningrate auf 71 % an (p < 0,001; n = 52.832).
  • Nachweisbare HCV-RNA war im BPA-Zeitraum signifikant weniger häufig (33 % vs. 74 %; p < 0,001).
  • Alle 53 Patienten mit diagnostizierter HCV-Infektion wurden an Spezialisten überwiesen; 11 litten an fortgeschrittener Fibrose/Zirrhose.
  • Von 31 Patienten (58,5 %), denen direkt wirkende Antiviralia verschrieben wurden, begannen 20 (65 %) eine Behandlung; bisher haben 18 (90 %) eine virologische Clearance erreicht.
  • Von den übrigen 11 Patienten warteten 6 auf die Genehmigung der Krankenkasse, 4 wurde die Behandlung verweigert und 1 wurde an einer Einrichtung außerhalb behandelt.
Studiendesign
  • US-amerikanische Studie zur BPA-Implementierung an 13 Kliniken für Primärversorgung, die ein EPA-System teilen.
  • Die BPA forderte Ärzte dazu auf, Tests für bisher nicht getestete/nicht diagnostizierte Baby-Boomer anzufordern.
  • Finanzierung: Bristol-Myers Squibb; Gilead; NIH; AASLD Advanced/Transplant Hepatology Fellowship.
Warum das wichtig ist
  • Allen Baby-Boomern wird ein einmaliger HCV-Test empfohlen, doch bleibt die Deckungsrate gering.

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4. Zirrhose: Anämie als einer der Prädiktoren für ACLV



Quelle: J Hepatol

Erkenntnis
  • Anämie, Hypotonie, Aszites sowie der MELD-Score (Model for end-stage liver disease score) erlauben Voraussagen über akut-auf-chronisches Leberversagen (ACLV) bei ambulanten Patienten mit Zirrhose.
Wesentliche Ergebnisse
  • Bei 25 % der Patienten kam es zu ACLV (Grad 1: 48 %; Grad 2: 28 %; Grad 3: 24 %).
  • Die Wahrscheinlichkeit eines ACLV nach 1, 5 und 10 Jahren betrug 14 %, 29 % bzw. 41 %.
  • Patienten, bei denen es zu ACLV kam, wiesen niedrigere Baselinewerte bei Hb und mittlerem arteriellem Druck (MAP) sowie einen höheren MELD-Score auf und litten mit höherer Wahrscheinlichkeit an Aszites (p < 0,001 für alle).
  • In einer multivariaten Analyse umfassten die Prädiktoren für ACLV nach 1 Jahr Hb (HR: 0,07; p = 0,012), MAP (HR: 0,96; p = 0,012), Aszites (HR: 2,53; p = 0,019) und MELD-Score (HR: 1,26; p < 0,001) zur Baseline.
  • Die 3-Monats-Überlebensrate ohne Transplantation bei ACLV betrug 55 %.
Studiendesign
  • Studie an 466 aufeinanderfolgenden Patienten (69 % Männer; durchschnittliches Alter: 55 ± 12 Jahre) mit Zirrhose, durchgeführt an der Ambulanz eines italienischen Krankenhauses der Tertiärversorgung; 54 % wurden der Child-Pugh-Klasse A zugeordnet.
  • Bei 64 % bzw. 36 % lagen ösophageale Varizen vor; 56 % litten an Anämie.
  • Die Ätiologie der Zirrhose umfasste HCV (42 %), Alkohol (34 %) und HBV (16 %).
  • Mittlere Dauer der Nachbeobachtung: 45 ± 41 Monate.
  • Finanzierung: Keine.
Warum das wichtig ist
  • Die Identifizierung von Hochrisikopatienten ermöglicht Überwachung und Präventionsstrategien.
  • Anämie stellt ein potenzielles neues Ziel für Präventivmaßnahmen dar.

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