Erkrankungen der Innenohrs und insbesondere Tinnitus treten bei Migränepatienten gehäuft auf


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Fall-Kontrollstudie aus Taiwan ermittelt eine erhöhtes Risiko für Erkrankungen des Innenohrs bei Patienten mit Migräne. Sie litten dreimal häufiger an Tinnitus, auch plötzliche Taubheit war in Relation zu einer Kontrolle-Gruppe häufiger.

Hintergrund

Auch wenn eine Migräne nicht zeitgleich mit kochleären Erkrankungen auftritt, so könnte sie doch das Risiko dafür erhöhen. Ob dem so ist, war Gegenstand dieser Untersuchung.

Design

Anhand von Versicherungsdaten wurden in Taiwan 1056 Patienten identifiziert, bei denen zwischen 1996 und 2013 Migräne diagnostiziert worden war. Etwa 2/3 der Patienten waren weiblich, das mittlere Alter betrug 36,7 Jahre. Zum Vergleich dienten 4224 Personen aus der selben Datenbank mit ähnlichen Merkmalen, aber ohne Migräne. Gemessen wurde die Inzidenz kochleärer Erkrankungen wie Tinnitus, Innohrschwerhörigkeit und/oder plötzliche Taubheit.

Hauptergebnisse

  • Das Chancenverhältnis HR für kochleäre Erkrankungen betrug für die Migränepatienten im Vergleich zur Kontroll-Gruppe 2,83, adjustiert war es 2,71 (95%-Konfidenzintervall 1,86 – 3,93).
  • Die Inzidenzraten pro 1 Million Patientenjahre betrugen 81,4 versus 29,4.
  • Die kumulative Inzidenz kochleärer Erkrankungen betrug in der Migräne-Kohorte 12,2 % gegenüber 5,5 Prozent in der Kontroll-Gruppe.
  • Eine Subgruppenanalyse ergab für einzelne Indikationen die folgenden adjustierten HR: Tinnitus 3,30; Innohrschwerhörigkeit 1,03; plötzliche Taubheit 1,22.

Klinische Bedeutung

Unter den kochleären Erkrankungen ist der Tinnitus besonders stark mit der Migräne assoziiert. Die Autoren meinen, dies unterstütze die Präsenz bzw. das Konzept der „kochleären Migräne“. Zunächst identifiziert diese Studie aber eine Gruppe mit erhöhter Vulnerabilität. Falls ein kausaler Zusammenhang besteht, könnte eine erfolgreiche Behandlung der Migräne bei diesen Patienten womöglich auch das Risiko senken, an Tinnitus zu erkranken bzw. die Erfolgschancen der Behandlung erhöhen.

Finanzierung: Keine Angaben.