Erhöhtes Risiko schon bei Prostatakrebs-Vorstufen in der Verwandtschaft

  • Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Männer, bei denen Prostatakrebs in der Familie auftritt, haben ein erhöhtes Risiko im Laufe ihres Lebens ebenfalls an einem manifesten Prostatakarzinom zu erkranken. Erstmals konnten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg zeigen, dass das Risiko auch bei Vorstufen in der nahen Verwandtschaft ähnlich erhöht ist. Die Arbeit wurde kürzlich in Cancer publiziert.

Weltweit größte Kohortenstudie mit Daten von mehr als 6 Millionen Männern

Prostatakrebs hat eine nicht unerhebliche erbliche Komponente: Invasive Prostatakarzinome bei Familienangehörigen scheinen der stärkste Risikofaktor, selbst an einem solchen Prostatakarzinom zu erkranken, heißt es in einer Mitteilung des NCT.  Das Risiko ist umso größer, je mehr enge Familienmitglieder betroffen sind.

Die Heidelberger Forscher gingen nun der Frage nach, ob auch bestimmte Vorstufen von Prostatakrebs - z. B. atypische mikroazinäre Proliferation (ASAP) oder prostatische intraepitheliale Neoplasie (PIN) - in der Familiengeschichte dieses Risiko erhöhen. Dazu werteten sie in Kooperation mit Kollegen der Universität Lund die Daten von 6,3 Millionen nach 1931 geborenen schwedischen Männern und deren Eltern aus. Während des Studienzeitraums von 1958 bis 2015 erkrankten 238.196 Männer (3,8 Prozent) an einem invasiven Prostatakarzinom und 5.756 Männer (0,09 Prozent) an einer der untersuchten Vorstufen von Prostatakrebs.

1,7-fach erhöhtes Risiko bei Krebsvorstufe

Die Ergebnisse der weltweit größte Kohortenstudie zu familiärem Prostatakrebs zeigen: Wenn bei Verwandten ersten Grades - also bei Vater oder Bruder - eine Vorstufe von Prostatakrebs auftritt, dann ist dies für Männer mit einem 1,7-fachen Risiko verbunden, selbst an einem invasiven Prostatakarzinom zu erkranken - im Vergleich zu Männern ohne Prostatakrebs oder Krebsvorstufen in der Familiengeschichte, berichtet Mahdi Fallah, Leiter der Gruppe Risikoadaptierte Prävention in der Abteilung Präventive Onkologie des DKFZ und am NCT. Dieses erhöhte Risiko für Prostatakrebs ähnelt dem von Männern, die Verwandte mit einem invasiven Prostatakarzinom haben: nämlich ein 2-fach erhöhtes Risiko.

„Die Studienergebnisse haben auch Auswirkungen auf die Prävention - nämlich auf die risikoangepasste Früherkennung von Prostatakrebs", ergänzt Elham Kharazmi, Ko-Leiterin der Studie. Nicht nur Prostatakrebs, sondern auch Vorstufen davon in der Familiengeschichte sollten daher in die Beratung familiär belasteter Personen zur Früherkennung und in die Risikoeinschätzung miteinfließen.