Erhöhte Suizidrate bei Frauen, die hormonell verhüten


  • Susanne Kressenstein
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft: Jüngere Frauen die hormonell verhüten, haben ein erhöhtes Suizidrisiko. Besonders hoch ist dieses Risiko bei Nutzerinnen von Verhütungspflastern.

Hauptergebnisse: Im Zeitraum von acht Jahren unternahmen von knapp einer halben Million junger Frauen 7.000 einen Suizidversuch. 71 dieser Versuche wurden vollendet. Bei Frauen, die hormonelle Kontrazeptiva einnahmen, kam es im Vergleich zu Frauen, die noch nie hormonell verhütet hatten, 1,97-fach häufiger zu Suizidversuchen (95% CI 1,85 bis 2,10). Vergleicht man Frauen mit und ohne hormonelle Verhütung, zeigt sich, dass es bei hormoneller Kontrazeption 3,08-fach häufiger zu einem vollendeten Suizid kam (95% CI 1,34 bis 7,08). Am gefährlichsten erwiesen sich die ersten beiden Monate nach Beginn der hormonellen Kontrazeption.

Je nach Art der hormonellen Verhütung ergab sich ein unterschiedliches Bild. Am meisten Suizidversuche unternahmen Nutzerinnen von Kontrazeptiva-Pflastern, die den Wirkstoff Norelgestromin, also das Gestagen Progestin enthielten. Ihr Risiko war 3,28-fach erhöht (95% CI 2,08 bis 5,16). Das Risiko von Nutzerinnen von gestagenhaltigen Vaginalringen war 2,58-fach erhöht (95% CI 2,06 bis 3,22). Bei Pillen, die lediglich Progestin enthielten lag das Risiko bei Monopräparaten bei 2,29 (95% CI 1,77 bis 2,95), bei Kombipräparaten aus Östrogenen und Gestagenen bei 1,91 (95% CI 1,79 bis 2,03).

Design: Teilnehmerinnen dieser umfassenden Studie waren knapp 500.000 Frauen aus Dänemark mit einem durchschnittlichen Alter von 21 Jahren. Der Beobachtungszeitrum erstreckte sich über acht Jahre. Ermittelt wurde die Assoziation zwischen der Einnahme von hormonellen Kontrazeptiva und Suizidversuchen und vollendeten Suiziden.

Klinische Bedeutung: Bereits im Jahr 2016 wies dieselbe dänische Forschergruppe nach, dass Frauen, die hormonell verhüten, häufiger Antidepressiva verordnet bekommen und öfters stationär wegen Depressionen behandelt werden. Der Einfluss von künstlichen Hormonen auf die Psyche konnte mit der vorliegenden Studie bestätigt werden. Vor allem Gestagenen wird ein Einfluss auf die psychische Verfassung zugeschrieben. Frauen, denen hormonelle Kontrazeptiva verschrieben werden, sollten auf diese Tatsache hingewiesen werden.