Erhöhte Rate von Exazerbationen bei herzgesunden COPD-Patienten unter dem Betablocker Metoprolol

  • New England Journal of Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Herzgesunde Patienten mit moderater bis schwerer chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) profitierten nicht von der Gabe des kardioselektiven Betablockers Metoprolol. Im Gegenteil: die Rate an schweren Exazerbationen war erhöht, und die Studie wurde - auch aus Sicherheitsbedenken - vorzeitig abgebrochen.

Hintergrund

Aus Beobachtungsstudien liegen Hinweise vor, wonach Betablocker das Risiko von Exazerbationen und die Sterblichkeit von Patienten mit moderater bis schwerer chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) senken könnten. Hier wurde der Versuch unternommen, dies in einer randomisierten Studie zu belegen.

Design

532 COPD-Patienten zwischen 40 und 85 Jahren erhielten in der prospektiven Studie BLOCK COPD („Beta-Blockers for the Prevention of Acute Exacerbations of Chro­nic Obstructive Pulmonary Disease“) entweder den Betablocker Metoprolol als Retard-Präparat oder ein Placebo. Die Probanden waren allesamt Raucher oder Ex-Raucher, und sie waren im Jahr vor Studienbeginn bereits wegen einer Attacke hospitalisiert worden, oder sie benötigten Sauerstoff und hatten demnach ein erhöhtes Risiko für weitere Exazerbationen. Ausschlusskriterien waren unter anderem die vorherige Einnahme eines Beta-Blockers oder das Vorliegen einer Indikation für den Gebrauch dieser Medikamentenklasse, sodass de facto Patienten mit Herzerkrankungen ausgeschlossen waren.

Ergebnisse

  • Die Studie wurde abgebrochen, weil das primäre Studienziel nicht mehr erreichbar schien und es Bedenken wegen der Sicherheit gab. Während der ursprünglich auf 336 bis 350 Tage angesetzten Behandlungsperiode kam es unter Metoprolol zu 11 Todesfällen gegenüber 5 in der Placebogruppe.
  • Beim primären Endpunkt, der medianen Zeit bis zur ersten Exazerbation, gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen, sie war jedoch unter Metoprolol mit 202 Tagen kürzer als unter Placebo (222 Tage).
  • Das Risiko, wegen einer Exazerbation ins Krankenhaus zu müssen, war unter Metoprolol signifikant höher. Das Chancenverhältnis HR betrug 1,91, das 95%-Konfidenzintervall 1,29 – 2,83.

Klinische Bedeutung

Die aus Beobachtungsstudien abgeleitete Hoffnung, mittels kardioselektiver Betablocker Exazerbationen bei herzgesunden Patienten mit einer COPD verringern zu können, hat sich nicht erfüllt. Der Wirkstoff Metoprolol erhöhte in dieser Population offenbar das Risiko für schwere Exazerbationen, und äußerste Zurückhaltung scheint bei dieser Patientengruppe weiterhin angebracht, wie William MacNee (Edinburgh) in einem Kommentar zur Studie anmerkt.

Finanzierung: US-Verteidigungsministerium.