Ergebnisse kardiologischer Studien nicht selten mehr Schein als Sein

  • JAMA Network Open

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Autoren von kontrollierten Herzgefäß-Studien mit nicht-signifikanten Ergebnissen beim primären Endpunkt versuchen relativ oft mit Hilfe der Sprache von den negativen Resultaten abzulenken und den Fokus auf eher positive Befunde zu lenken. Sie versuchen also, der Studie einen sogenannten positiven Spin zu geben. 

Hintergrund

Es gibt viele Möglichkeiten, Studien so zu gestalten oder zu „tunen“, dass die Ergebnisse herauskommen, die erwünscht sind. Das Spektrum reicht von der gezielten Wahl der „passenden“ Vergleichs-Therapie und Kontroll-Gruppe bis hin zur Anwendung sicher „zielführender“ statistischer Methoden. Zudem gibt es einige Möglichkeiten, Studien-Resultate besser erscheinen zu lassen, als sie es tatsächlich sind. Die Autoren der vorliegenden Studie haben sich mit einer der vielen Verschönerungs-Verfahren befasst - und zwar der Manipulation der Sprache, die in den Publikationen verwendet wurde.

Design

Ausgewertet wurden 93 Berichte zu randomisierten und kontrollierten Studien der kardiovaskulären Medizin, die in sechs Fachzeitschriften mit hohem Impact-Faktor und mit einem Peer-Review-Verfahren erschienen waren ( New England Journal of Medicine, The Lancet, JAMA, European Heart Journal, Circulation und Journal of the American College of Cardiology). Einschluss-Kriterium war ein statistisch nicht-signifikantes Resultat beim primären Studien-Endpunkt. Bewertet wurden die Publikationen von zwei Wissenschaftlern; bei unterschiedlichen Bewertungen wurde ein dritter Wissenschaftler hinzugezogen. 

Hauptergebnisse

  • Einen sogenannten „positiven Spin“ fanden die Autoren in 57 Prozent der Abstracts zu Studien mit nicht-signifikanten Ergebnis beim primären Endpunkt und in 67 Prozent der Gesamt-Texte zu diesen Studien.
  • Zehn Berichte (elf Prozent) enthielten den positiven Spin im Titel, 35 (38%) im Ergebnis-Teil und 50 (54 Prozent) im Abschnitt zu den Schlussfolgerungen.
  • Das Spin-Phänomen war nicht auf Studien beschränkt, die von pharmazeutischen und medizintechnischen Unternehmen finanziert wurden. Bei Studien, die mit öffentlichen Mitteln finanziert wurden, war der Spin-Anteil sogar größer.

Klinische Bedeutung

Die Befunde der Autoren bestätigen die bekannte Tatsache, dass auch renommierte Fachzeitschriften mit Peer-Review-Verfahren keine absolut sicheren Garanten für stets hochwertige, seriöse und glaubwürdige Publikationen sind. Da die Manipulation von Studien und die irreführende Darstellung von Ergebnissen medizinische und gesundheitspolitische Entscheidungen beeinflussen können, sind verstärkte Bemühungen gefordert, dem entgegenzuwirken. Und selbstverständlich sollte beim Umgang mit Publikationen außer wissenschaftlicher Skepsis genaues Lesen eine „conditio sine qua non“ sein. Das gilt natürlich auch für die vorliegende Studie, die, wie die Autoren selbst betonen, nur Studien aus einem relativ knappen Zeitraum enthielt (1.1.2015 bis 31.12.2017) und zudem keine Untersuchung der Auswirkungen der manipulativen Darstellungen.

Finanzierung: keine Angaben.