Erfolgversprechende Entwicklung: Zika-Virusvakzine aus Tabakpflanzen


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Mehrere Millionen Menschen haben sich weltweit bei der Zika-Virusepidemie infiziert: Sie begann im Frühjahr 2015 in Brasilien. Noch immer gibt es kleinere Ausbrüche auch in neuen Regionen auf der Welt, aber der globale Gesundheitsnotstand von 2016 ist aufgehoben. International wird an der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Zika-Virus geforscht. Von einigen Impfstoffkandidaten wird befürchtet, sie könnten Infektionen mit Dengue-Viren fördern, die mit dem Zika-Virus verwandt sind. In einer neuen Strategie wird mit Förderung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörden versucht, dieses Risiko zu vermeiden (1).

Kernbotschaften

Ein Zika-Virusimpfstoff, der aus virusartigen Partikeln besteht und dessen antigene Komponente auf einem für Zika-Viren spezifischen Abschnitt des Hüllproteins E basiert (Domäne 3; zDIII), hat sich im Tierversuch als hoch immunogen erwiesen und die Tiere zu 100 % vor Infektionen mit dem Virus nach mehrfacher Exposition geschützt. Antikörpertiter und zellvermittelte Immunreaktionen waren spezifisch für Zika-Virusstämme und so ausgeprägt, dass ein protektiver Effekt beim Menschen als wahrscheinlich gilt.

Hauptergebnisse

Der Impfstoff, nämlich das Zika-Virusantigen zDIII kombiniert mit dem Hepatitis-B-Virus Core P rotein (HBcAG), ließ sich schnell in größeren Mengen in der Tabakpflanze Nicotiana benthamiana produzieren . Nach Aufreinigung wurden virusartige Partikel (VLP) hergestellt. Der Impfstoff HBcAG-zIII-VLP löste innerhalb von 2 Wochen nach Injektion die Produktion neutralisierender Antikörper aus. Es gab keine Kreuzreaktivität mit Dengue-Viren. Außerdem wurden starke Interferon- γ -abhängige zelluläre Immunantworten hervorgerufen.

Design

  • präklinische Studie mit dem Zika-Virus-Impfstoff HBcAG-zIII-VLP
  • Schema: eine Impfung plus zwei Booster-Immunisierungen mit verschiedenen Adjuvanzien
  • Untersuchung auf antigenspezifische und -unspezifische immunologische Parameter
  • Untersuchung auf Kreuzreaktivität mit anderen Flaviviren wie Dengue

Klinische Bedeutung

Der Impfstoff HBcAG-zIII-VLP hat günstige Voraussetzungen für eine klinische Prüfung: Die antigene Komponente enthält den kleinsten Proteinanteil des Zika-Virus, der spezifische Immunantworten gegen verschiedene Stämme hervorruft, ohne Kreuzreaktivität mit anderen Flaviviren zu induzieren. Solche Kreuzreaktionen sind mit einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe assoziiert. Die Produktion größerer Impfstoffmengen in der Tabakpflanze ist rasch und kostengünstig möglich. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (2) könnten Impfungen während eines Ausbruchs sinnvoll sein, um schwere Folgen wie Mikrozephalie bei Kindern zu verhindern, deren Mütter in der Schwangerschaft infiziert waren, aber auch andere neurologische Manifestationen wie das Guillain-Barré-Syndrom. Außerdem wären Routine-Vakzinierungen zwischen Ausbruchsphasen denkbar, um in Endemiegebieten eine Herdenimmunität zu erzeugen.