Erdnussallergie: Daten einer großen Metaanalyse stellen klinischen Nutzen von Immuntherapien in Frage

  • Lancet

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Daten einer Metaanalyse zu oralen Immuntherapien bei Erdnussallergie bestätigen, dass Immuntherapien die gewünschten Desensibilisierungseffekte haben; die Patienten vertragen größere Allergenmengen. Zugleich aber ergibt die Gesamtauswertung von 12 randomisierten Studien: Das Risiko für anaphylaktische und andere allergische Reaktionen steigt während der oralen Immuntherapie im Vergleich zur Allergenvermeidung oder Placebo erheblich an. Daher wird der Gesamtnutzen dieses Behandlunsansatzes als „noch ungeklärt“ bewertet.

Hintergrund

Die Prävalenzen von Erdnussallergien nehmen in westlichen Ländern zu. In Deutschland sind circa 0,5-1 % der Kinder betroffen. Die Ausprägung ist unterschiedlich stark, grundsätzlich aber gehört die Erkrankung zu den schwersten Nahrungsmittelallergien überhaupt. Schon kleinste Mengen des Allergens können starke Reaktionen auslösen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Mehrere prospektive und randomisierte Studien, auch mit Kindern und Jugendlichen aus Deutschland, haben ergeben, dass orale Immuntherapien die Verträglichkeit von Erdnüssen verbessern können. Unklar ist allerdings bisher der klinische Gesamtnutzen der Behandlung, denn die Desensibisilierung erhöht während der Therapiephase im Vergleich zur Allergenvermeidung oder Placebo das Risiko für allergische Reaktionen.

Design

  • Metaanalyse mit systematischem Review von prospektiven, randomisierten Studien zur oralen Immuntherapie bei Erdnussallergien
  • Berücksichtigung von 12 Studien mit insgesamt 1.041 Probaden im durchschnittlichen Alter von 8,7 Jahren
  • Vergleichsgruppen in den Studien erhielten statt Verum entweder Placebo oder sollten das Allergen vermeiden
  • eine gängige Therapiestrategie war die allmähliche Eskalation des Allergens mit steigenden Dosierungen gefolgt von einer Erhaltungsphase
  • Follow-up in den Studien mindestens 1 Jahr

Hauptergebnisse

Die Gesamtanalyse der Studien ergab, dass die orale Immuntherapie bei Erdnussallergie effektiv sein kann; die Allergenmengen, die vertragen werden, steigen. Das Risiko für anaphylaktische Reaktionen aber nimmt im Vergleich mit Placebo oder Allergenvermeidung durchschnittlich um den Faktor 3,12 zu (Häufigkeit: 7,1 % ohne Immuntherapie vs. 22,2 % mit Immuntherapie). Der Bedarf an epinephrinhaltigen Substanzen stieg von durchschnittlich 3,7 % in den Vergleichsgruppen auf 8,2 % mit Immuntherapie (Risikofaktor: 2,21) und die Rate schwerer unerwünschter Ereignisse von 6,2 % ohne Immuntherapie auf 11,9 % mit Immuntherapie (Risikofaktor: 1,92). Die Lebensqualität unterschied sich zwischen Verum- und Vergleichsgruppen nicht signifikant.

Klinische Bedeutung

Die Metaanalyse bestätigt nach Meinung der Autoren: Noch gibt es für Patienten mit Erdnussallergie keine etablierte orale Immuntherapie, bei denen das Verhältnis von Nutzen und Risiko als günstig bewertet werden kann. Das bedeute aber nicht, dass die Erforschung dieser Strategien nicht sinnvoll sei. Ein wissenschaftlicher Schwerpunkt allerdings sollte künftig auf Allergenpräparationen mit mehr Sicherheit liegen und bei der Methodik der klinischen Prüfungen auf prospektiven, randomisierten Studien.

Finanzierung: keine finanzielle Förderung