Epigallocatechingallat zur Behandlung von Patienten mit Lungenfibrose

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Ein amerikanisches Forscherteam hat in einer klinischen Studie Patienten mit interstitieller Lungenerkrankung einer 2-wöchigen Epigallocatechingallat (EGCG)-Behandlung unterzogen. Die darauffolgende Lungenbiopsie zeigte, dass fibrotische Biomarker durch eine EGCG-Behandlung signifikant gesenkt werden konnten. Ob eine EGCG-Behandlung zur Verringerung der Fibrogenese beitragen kann, soll nun in einer langfristigen, randomisierten klinischen Studie bei Patienten mit Lungenfibrose ermittelt werden.

Hintergrund

EGCG ist ein Carbonsäureester, welches als Antioxidans in relativ hohen Mengen in koffeinhaltigen, unfermentierten Teesorten enthalten ist. EGCG wird als kommerzielles Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt, da man EGCG eine positive Wirkung auf die Gesundheit zuspricht. Unter anderem wirkt EGCG Fibroblasten-spezifisch als irreversibler Inhibitor auf die Lysyloxidase-2 (LOXL2) und auf die Kinasen der TGFβ-Rezeptoren 1 und 2 (TGFβR1 /2). Die Hemmung dieser Proteine unterdrückt die TGFβ1-induzierte Matrixproduktion mit Blockade der Kollagenvernetzung. Ein amerikanisches Forscherteam hat nun in einer klinischen Studie erstmals die Wirkung von oral verabreichten EGCG zur Behandlung von Lungenfibrose getestet.

TGF β1-gesteuerte profibrotische Zustände durch EGCG umkehrbar

In die klinische Studie wurden 20 Patienten mit Lungenfibrose aufgenommen. Neun Patienten erhielten eine tägliche orale Dosis von 600 mg EGCG (Teavigo) für 14 Tage, die Kontrollgruppe (10 Patienten mit Lungenfibrose; 5 gesunde Probanden) erhielt keine Behandlung. Nach 14 Tagen unterzogen sich die Studienteilnehmer einer diagnostischen Lungenbiopsie des oberen, mittleren und unteren Lungenlappens.

Die Forschenden analysierten die Gewebeproben auf profibrotische Gewebemarker und stellten fest, dass im Vergleich zu den unbehandelten Lungenfibrose-Patienten die EGCG-Patienten signifikant weniger TGFβ1-gesteuerte fibrotische Biomarker (Collagen I [p = 0.001], phosphoryliertes SMAD3 [p = 0.003] und SNAIL1 [p = 0.005]) auf Proteinebene aufwiesen.

Weiterhin untersuchten die Forschenden die Serumbiomarker der Patienten und stellten fest, dass, im Vergleich zur Kontrollgruppe, bei EGCG-behandelten Patienten sowohl das Serumknorpel-Oligomer-Matrix-Protein (COMP; p = 0.008) und Periostin (p = 0.01) signifikant reduziert waren. Beide Serummarker wurden bereits in früheren Publikationen mit der Diagnose und Prognose von idiopathischen Lungenfibrosen in Verbindung gebracht.

Die Forschenden gehen davon aus, dass die erhobenen klinischen Daten darauf hinweisen, dass Patienten mit interstitiellen Lungenerkrankungen von einer EGCG-Behandlung profitieren könnten. Diese Daten sollen nun als Grundlage für größere randomisierte klinische Langzeitstudien genutzt werden.

Finanzierung: Three Lakes Foundation; National Institutes of Health.