Entzündungshemmer Masitinib möglicherweise wirksam zu Beginn der Alzheimer-Erkrankung


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Entzündungshemmer Masitinib, der bereits gegen die Multiple Sklerose und ALS in Entwicklung ist, hat in einer noch unveröffentlichten Studie der Phase 2B/3 bei Patienten mit früher bis moderater Alzheimer-Erkrankung den kognitiven Verfall gegenüber Placebo verlangsamt und die Aktivitäten des täglichen Lebens verbessert.

Hintergrund

Zahlreiche Wirkstoffe wurden in den vergangenen 15 Jahren bei Patienten mit Morbus Alzheimer und dessen möglichen Vorstufen getestet, ohne dass jedoch der kognitive Verfall deutlich verlangsamt werden konnte. Darunter waren auch mehrere Arzneien, für die aus klinischen Studien bereits erfolgversprechende Daten vorlagen.

Design

Internationale, randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie der Phase 2B/3 zur Evaluation verschiedener Dosierungen des oralen Entzündungshemmers Masitinib bei 718 Patienten (Durchschnittsalter 72 Jahre) mit beginnender bis moderater Alzheimer-Demenz (MMSE 12 – 25) über einen Zeitraum von 24 Wochen. Die Arznei (4,5 mg/kg/Tag oder titriert 4,5 – 6,0 mg/kg/Tag) bzw. Placebo wurde verabreicht zusätzlich zu einer Therapie mit einem der Cholinesterase-Hemmer Donepezil, Rivastigmin oder Galantamin und/oder Memantin.

Ergebnisse

  • Eines der Co-primären Studienziele war die Veränderung bei der Alzheimer's Disease Assessment Scale-Cognitive Subscale (ADAS-Cog). Hier stand einem leichten Rückgang des ADAS-cog in der Placebo-Gruppe ein Gewinn von durchschnittlich 1,5 Punkten unter Masitinib in der 4,5 mg-Dosierung gegenüber (p = 0,0003).
  • Beim anderen Co-primären Endpunkt wurden die Aktivitäten des täglichen Lebens erfasst (Alzheimer’s Disease Cooperative Study Activities of Daily Living, ADCS-ADL). Auch hier wurde unter 4,5 mg einen signifikante Veränderung gemessen (p = 0,0381).
  • Beim Vergleich der titrierten Patienten mit deren eigener Placebo-Gruppe schnitten Patienten unter Masitinib zwar auf beiden Skalen numerisch besser ab, der Unterschied war aber nicht signifikant.
  • Schwere Nebenwirkungen traten unter Masitinib bei 13 % der Patienten auf, unter Placebo bei 5 Prozent.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sind noch unveröffentlicht und wurden lediglich per Pressemitteilung bekannt gemacht. Der Sponsor der aktuellen Untersuchung hat eine Phase-3-Studie angekündigt, um die Wirksamkeit der 4,5 mg-Dosierung zu bestätigen. Dabei sollen einerseits mehr Teilnehmer in früheren Phasen der Krankheit rekrutiert werden, außerdem auch Biomarker verfolgt werden, um die Auswirkungen auf die Pathologie zu untersuchen. Dann wird sich zeigen, ob die frühen Daten belastbar sind und wie groß die Effekte von Masitinib tatsächlich sind.

Finanzierung: AB Science SA.