Entzündungshemmung bei Atherosklerose: Europäische Kardiologengesellschaft nimmt Stellung


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

An der Pathogenese der Artherosklerose sind auch entzündliche Prozesse in einem Wechselspiel mit Cholesterin beteiligt. Eine pharmakologische Hemmung der Entzündung kann, wie Daten zu dem Antikörper Canakinumab zeigen, ein neuer Ansatz zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen und Komplikationen sein. Noch reichen die Daten aber nicht aus, um eine solche antiinflammatorische Strategie zum Bestandteil der Standardtherapie mit Cholesterinsenkern zu machen. 

Hintergrund

Viele experimentelle und auch klinische Studien weisen darauf hin, dass an der Pathogenese der Atherosklerose entzündliche Prozesse beteiligt sind. Große Aufmerksamkeit geweckt hat insbesondere die placebo-kontrollierte Phase-3-Studie CANTOS mit dem gegen Interleukin-1β gerichteten Antikörper Canakinumab. Die vom Unternehmen Novartis finanzierte Studie mit dem Entzündungshemmer wurde 2017 beim Kongress der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft in Barcelona vorgestellt und zeitgleich im „New England Journal of Medicine“ publiziert. Sie lieferte Hinweise darauf, dass eine pharmakologische Entzündungshemmung bei Atherosklerose vor kardiovaskulären Komplikationen schützen kann. Angeregt durch vor allem diese Studie hat sich ein Wissenschaftler-Team der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC Working Group on Atherosclerosis and Vascular Biology) die Daten zur Rolle entzündlicher Vorgänge bei der Atherosklerose genauer angeschaut und nun eine Stellungnahme verfasst.

Design

Konsensus-Papier auf der Grundlage der wissenschaftlichen Literatur zur Pathogenese der Atherosklerose und zu antiinflammatorischen Mechanismen. 

Hauptergebnisse

Die Reduktion der kardiovaskulären Ereignisrate durch den Interleukin-1b-Blocker Canakinumab in CANTOS bestätigt den Zusammenhang zwischen Lipiden und entzündlichen Vorgängen. 

Laut der ESC-Arbeitsgruppe ist es sinnvoll, auch weitere antiinflammatorische Therapien mit anderen Zielstrukturen als Interleukin-1b zu prüfen; zudem sollten auch weitere gegen das Interleukin-1b gerichtete Strategien getestet werden (etwa RNA-Interferenz).

Canakinumab ist kein Konkurrenz-Wirkstoff zu Cholesterinsenkern bzw. Statinen, für deren kardiovaskulären Nutzen bereits eine große Menge an klinischen Studien spricht - und nicht nur eine einzige Untersuchung wie im Falle des Antikörpers.

Obgleich die CANTOS-Ergebnisse als „Meilenstein“ in der kardiovaskulären Medizin bewertet werden können, sind nach Angaben der ESC-Autoren noch einige Hürden vor einer Verordnung von Canakinumab zur kardiovaskulären Prävention zu überwinden. 

Finanzierung: Vor allem Stiftungen, etwa die Britische Herzstiftung, und auch die DFG

Klinische Bedeutung

Trotz mehrerer Hinweise reichten die bislang vorliegenden Daten für eine Standard-Therapie mit antiinflammatorischen Wirkstoffen noch nicht aus, betonen die Autoren der aktuellen Stellungnahme. Weitere Studien-Ergebnisse seien notwendig, zum Beispiel zu der Frage, ob auch entzündungshemmende Substanzen mit anderem Wirkmechanismus als Canakinumab für die Prävention kardiovaskulärer Komplikationen geeignet seien.