Entlastung für Arztpraxen: Heilmittelreform in Sicht

Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Berlin (pag) – Eine Überarbeitung von Heilmittelrichtlinie und -katalog soll Arztpraxen entlasten. Unterdessen fordern Heilmittelerbringer den Direktzugang. Auf dem Therapiegipfel reagiert Gesundheitsminister Jens Spahn darauf zurückhaltend.

 

Im kommenden Jahr wird die Blankoverordnung eingeführt, aus Therapeutensicht ein erster Schritt für mehr Autonomie. Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV), stellt jedoch klar: „Die Blankoverordnung reicht uns nicht.“ Nur der Direktzugang könne auf Dauer die therapeutische Versorgung gerade im ländlichen Gebiet sicherstellen. Der Gesetzgeber solle Möglichkeiten schaffen, um den Direktzugang zu testen. Spahn reagiert verhalten. Zu klären sei, welche Qualifikationserfordernisse damit verknüpft werden. Noch komplexer zu regeln sei, wer die Budgetverantwortung trägt. Der Minister verweist auf die Regressdebatte bei den Ärzten und hebt hervor: „Dass die Entscheidung bei den Heilmittelerbringern liegt, aber die Budgetverantwortung bei den Ärzten – das wird nicht funktionieren.“ Sein Appell lautet: „Überlegen Sie sich vorher, worauf Sie sich einlassen!“

 

Derweil hat der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen, die Heilmittel-Richtlinie zu überarbeiten. Auch der Heilmittelkatalog soll neu gefasst werden. Zu den wichtigsten Neuerungen zählen: die Abschaffung der Unterscheidung zwischen Verordnungen innerhalb oder außerhalb des Regelfalls und damit auch der Wegfall des Genehmigungsverfahrens bei Verordnungen außerhalb des Regelfalls, die Einführung einer orientierenden Behandlungsmenge sowie Regelungen zur Blankoverordnung. Auch Struktur und Darstellungsform des Heilmittelkatalogs werden vereinfacht. Die Änderungen treten erst zum 1. Oktober 2020 in Kraft – den Segen des Bundesgesundheitsministeriums vorausgesetzt. Die Vorlaufzeit soll einen reibungslosen Übergang gewährleisten.

„Wir versprechen uns eine spürbare Entlastung in den Arztpraxen“, sagt Dr. Stephan Hofmeister, Vorstandsvize der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Er kündigt an, dass es zur ebenfalls ab Oktober 2020 nur noch ein Verordnungsformular für alle Heilmittel geben soll statt wie bisher drei verschiedene. Die Verhandlungen zwischen KBV und GKV-Spitzenverband sollen bis Jahresende abgeschlossen sein.