Enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern verbessert Therapietreue von Herzinsuffizienz-Patienten

  • European Journal of Heart Failure

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ältere Patienten mit Herzinsuffizienz profitieren von einer guten Zusammenarbeit zwischen Apothekern und ihren behandelnden Ärzten, da so die Therapieadhärenz verbessert wird.

Hintergrund

Etwa 30 bis 50 Prozent der Herzinsuffizienz-Patienten in Europa nehmen die ihnen verschriebenen Medikamente nur unregelmäßig, in zu geringer Dosierung oder gar nicht ein. Folgen sind oft eine rasche Progredienz der Erkrankung. Viele der Patienten leiden unter mehreren Begleiterkrankungen, so dass ein komplexer Medikationsplan entworfen werden muss. Diesen konsequent einzuhalten, stellt vor allem für ältere Patienten häufig eine Herausforderung dar. Gemeinsam haben Ärzte und Apotheker nun in der PHARM-CHF-Studie untersucht, ob eine engmaschige Betreuung von älteren Herzinsuffizienz-Patienten helfen kann, dieses Problem zu lösen. Geleitet wurde die Studie von Prof. Dr. Martin Schulz von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und Prof. Dr. Ulrich Laufs, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie des Universitätsklinikums Leipzig.

Design

An der Studie nahmen 31 Hausärzte, Internisten oder Kardiologen) sowie 69 Apotheken aus neun Bundesländern und 237 Patienten teil; die Patienten waren durchschnittlich 74 Jahre alt und nahmen im Mittel neun Medikamente ein; 62 Prozent waren Männer; eine Gruppe erhielt eine Aufklärung über ihre Medikation in der Arztpraxis und nahm ohne weitere Begleitung die Präparate ein (n = 127). Die zweite Gruppe (n = 110) wurde zusätzlich durch Apotheker vor Ort betreut: Zunächst überprüften die Mitarbeiter in den Apotheken die Gesamtmedikation der Patienten und stellten einen Medikationsplan auf. Bei den (zwei)wöchentlichen Besuchen in der Apotheke wurden außerdem Blutdruck und Puls gemessen und Probleme mit der Medikation besprochen. Sobald Unregelmäßigkeiten, starke oder unerwartete Nebenwirkungen oder andere gesundheitliche Probleme auftraten, tauschten sich Ärzte und Apotheker darüber aus, bzw. die Patienten wurden angehalten, ihren Arzt zu konsultieren. Die Beobachtungszeit betrug zwei Jahre.

Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war die mittlere Einnahmetreue von drei Arzneistoffklassen bei Herzinsuffizienz in den ersten 365 Tagen. Berechnet wurde die Einnahmetreue über die Bestimmung der Proportion of Days Covered (PDC: Quotient aus Tagen mit Medikation dividiert durch die Zahl an Tagen im Beobachtungszeitraum). Der primäre Sicherheitsendpunkt war die Zahl verlorener Tage aufgrund von kardiovaskulär bedingten Krankenhauseinweisungen und Tod im ersten Studienjahr. Der Anteil der Patienten mit einer PDC ≥ 80 Prozent und die Lebensqualität (Minnesota Living with Heart Failure Fragebogen Score (MLHFQ)) waren die wichtigsten sekundären Endpunkte.

Hauptergebnisse

  • Im ersten Studienjahr lag die mittlere Einnahmetreue (primärer Wirksamkeitsendpunkt) in der Interventionsgruppe bei 91,2 Prozent. Sie war signifikant 5,7 Prozentpunkte höher als in der Kontrollgruppe (p = 0,007). Der Anteil einnahmetreuer Patienten in den ersten 365 Tagen (PDC ≥ 80 Prozent) stieg in der Interventionsgruppe von 44 Prozent auf 86 Prozent und in der Kontrollgruppe von 42 Prozent auf 68 Prozent. Dies entspricht einem signifikanten Unterschied von 18 Prozentpunkten (p = 0,005).
  • Die gesundheitsbezogene Lebensqualität verbesserte sich im ersten Jahr in der Interventionsgruppe mehr als in der Kontrollgruppe, jedoch ohne signifikanten Unterschied. Im zweiten Studienjahr stieg sie jedoch in der Interventionsgruppe weiter an, während sie sich in der Kontrollgruppe verschlechterte.
  • Beim primären Sicherheitsendpunkt und auch alle weiteren Sicherheitsendpunkte gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Bei der Auswertung zur Mortalität bis zum Ende der Studie ergab eine numerisch größere Rate in der Kontrollgruppe (21 Prozent versus 18 Prozent, p = 0,55).

Klinische Bedeutung

Nach den Ergebnissen der interdisziplinären PHARM-CHF-Studie, die im Mai während des europäischen Herzinsuffizienz-Kongresses vorgestellt wurde, befürwortet die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) eine Zusammenarbeit zwischen Arztpraxen und Apotheken, wie sie in der Studie erprobt wurde. Sie spricht sich zudem dafür aus, eine sichere Rechtsgrundlage für die adäquate Vergütung dieser Leistungen der Apotheken zu schaffen. „Kardiologen und Hausärzte würden eine solche pharmazeutische Dienstleistung begrüßen, da sie den Patienten hilft, die mit dem Arzt vereinbarte Therapie optimal umzusetzen, vor allem ihre Arzneimittel langfristig in der richtigen Dosierung einzunehmen“, wird der Leipziger Kardiologe Ulrich Laufs in einer DGK-Mitteilung zitiert.

Finanzierung: ABDA, Apothekerkammer Nordrhein,Apothekerstiftung Westfalen-Lippe, Dr. August und Dr. Anni Lesmüller-Stiftung, Förderinitiative Pharmazeutische Betreuung e.V.