Endoprothesenregister Deutschland veröffentlicht Jahresbericht 2019

  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

 

Kliniken, die viele Hüft- und Knie-Endoprothesen implantieren, weisen tendenziell bessere Operationsergebnisse auf als Einrichtungen, die wenige Eingriffe durchführen. Weiteren Einfluss auf die Verweildauer einer Prothese im Körper haben die verwendeten Prothesenkomponenten und -materialien sowie die Patienten selbst. Zu diesen Schlussfolgerungen kommt der Jahresbericht 2019 des Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie  e.V. (DGOOC). Ausser dem zentralen Thema „Standzeiten“ von Implantaten enthält der Jahresbericht auch ein Kapitel mit Zahlen und Ergebnissen verschiedener internationaler Endoprothesenregister. Hier seien teilweise große Unterschiede zu beobachten, so die Autoren des Jahresberichts.

Um etwa 27 Prozent würden die Implantationen von Ersatzgelenken an der Hüfte in Deutschland bis zum Jahr 2040 gegenüber den Zahlen von 2010 steigen, so eine im letzten Jahr publizierte Studie . „Allein dieser - überwiegend altersbedingte - Anstieg ist Grund genug, mit Hochdruck an der weiteren Optimierung dieser an und für sich schon heute sehr erfolgreichen Operation zu arbeiten“, sagt Professor Dr. med. Carsten Perka, Generalsekretär der AE. Der Ärztliche Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Charité Berlin ist Sprecher des EPRD und Präsident der DGOOC.

Eine Maßnahme zur Qualitätssicherung

 Um eine bestmögliche Patientensicherheit bei der Versorgung mit Ersatzgelenken von Hüfte und Knie zu gewährleisten, wurde – Jahre vor den „Implant Files“ – das EPRD ins Leben gerufen. Zur Erinnerung: Als „Implant Files“ werden Ende 2018 veröffentlichte Recherche-Ergebnisse einer internationalen Gruppe von Journalisten bezeichnet. Danach gebe es weltweit große Lücken in der Kontrolle von Implantaten, darunter Brustimplantate, Herzschrittmacher und auch Endoprothesen. 

Seit Ende 2012 können Kliniken die Daten der implantierten Prothesen und damit versorgten Patienten in dieses Register eintragen, müssen dies aber nicht. „Damit lassen sich frühzeitig wertvolle Rückschlüsse, etwa auf Implantatversagen, ziehen und so größere Schäden in der Breite vermeiden“, erläutert Perka in einer Pressemitteilung zu der Veröffentlichung des Jahresberichtes. Mittlerweile nehmen etwa 750 der rund 1200 Kliniken in Deutschland, in denen Endoprothesen implantiert werden, an dem Register teil. Etwa 1,3 Millionen Implantationen sind darin registriert. Die Erfassungsrate lag zuletzt bei knapp 67 Prozent aller jährlichen endoprothetischen Eingriffe an Hüfte oder Knie. Besonders kleinere Krankenhäuser sind jedoch bislang unterrepräsentiert. Perka: „Spätestens mit einer verpflichtenden Teilnahme aller Krankenhäuser im Rahmen des geplanten staatlichen Implantateregisters, das im Jahr 2021 seinen Dienst aufnehmen soll, wird diese Lücke in der Erfassung geschlossen werden.“

Angaben zu Ausfall-Wahrscheinlichkeit

Erstmals können dem Jahresbericht Ausfall-Wahrscheinlichkeiten bis vier Jahre nach der Erstimplantation einer Hüft- oder Knie-Endoprothese  entnommen werden: „Die aktuell im Umlauf befindlichen Implantate sind sicher, sofern sie im EPRD bereits erfasst werden“, sagt Perka. „Implantate wie die, welche in den „Implant Files“ diskutiert wurden, sind seit vielen Jahren in Deutschland nicht mehr auf dem Markt.“

 Mehr Implantationen, weniger Ausfälle

Weniger überraschend ist, dass Erfahrung und Routine von Operateur und Klinik einen positiven Einfluss auf das Ergebnis haben: „Tendenziell zeigt sich, dass je häufiger in einem Krankenhaus endoprothetische Eingriffe an Hüft- und Kniegelenk durchgeführt werden, desto niedriger im Allgemeinen auch die Ausfall-Wahrscheinlichkeiten sind.“ Besonders deutlich wird dies beim Teilersatz des Kniegelenks, der sogenannten unikondylären Knieendoprothese. „In Krankenhäusern, die diese Eingriffe nur selten durchführen, ist die Ausfallwahrscheinlichkeit drei Jahre nach der Erstimplantation doppelt so hoch wie bei denen, für die dieser Eingriff fast schon den Regelfall darstellt.“ Perka stellt fest: „Wir können bereits jetzt die Prognose wagen, dass das Implantateregister weniger Probleme mit den Implantaten zeigen wird, sondern vielmehr Unterschiede in der Implantationsqualität zwischen den Krankenhäusern“.

International einige Unterschiede

Ausser Daten zur Endoprothesen-Versorgung in Deutschland enthält der Bericht auch Daten aus Endoprothesenregistern anderer Länder (Australien, Großbritannien, Schweden, Niederlande, USA). „Nicht nur bezüglich der bevorzugten Versorgungsformen und Implantatsysteme“ gebe es international große Unterschiede, so die Autoren des Jahresberichtes. Auch bei den „Ausfall-Wahrscheinlichkeiten bewegen sich die verschiedenen nationalen Register zum Teil auf sehr unterschiedlichem Niveau“. Zum Teil beträfen diese Unterschiede nicht nur die allgemeine Höhe der Ausfall-Wahrscheinlichkeiten, sondern auch grundlegende Tendenzen. So sei zum Beispiel im niederländischen Register LROI in der Knie-Endoprothetik eine ähnliche Abhängigkeit der Versorgungsergebnisse vom Alter der Patienten wie im EPRD festzustellen, in der Hüft-Endoprothetik aber ein gänzlich anderer Zusammenhang.