Endokrine Disruptoren: Vom wissenschaftlichen Nachweis zum Schutz der menschlichen Gesundheit

  • EU Parlament Press Release

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Der vom Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments in Auftrag gegebene wissenschaftliche Bericht zum Einsatz endokriner Disruptoren (Endokrine Disrupting Chemicals = EDCs) gibt einen Überblick über die schwerwiegende Bedrohung, die die EDCs für die EU-Gesellschaft darstellen, und unterstreicht die zahlreichen Mängel der derzeitigen EU-Gesetzgebung.

Hintergrund

EDCs sind Chemikalien, die das endokrine System des Körpers stören können und verschiedenste negative Effekte auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen und Tieren haben können. Sie wurden mit einer Vielzahl seltener Malignome (insbesondere bei Kindern), Fortpflanzungsstörungen, Osteoporose, Schilddrüsenerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes, Bluthochdruck und Fettleibigkeit), Geburtsfehlern und zahlreichen anderen Krankheitsbereichen oder Gesundheitszuständen in Verbindung gebracht.

Der wissenschaftliche Nachweis

Der neue wissenschaftliche Bericht des Europäischen Parlaments über EDCs wurde von Prof. Barbara Demeneix vom Muséum National d'Histoire Naturelle in Paris, Frankreich, und Mitglied der EDC-Arbeitsgruppe und Dr. Rémy Slama, INSERM (Nationales Institut für Gesundheits- und Gesundheitsforschung), Grenoble, Frankreich verfasst.

Auf der Grundlage einer umfassenden Literaturrecherche sind EDCs oder verdächtige EDCs derzeit in allen Medien (Wasser, Diät, Lebensmittelkontaktmaterialien, Kosmetika, Kinderprodukten, Lebensmittelbehältern, Körperpflegeprodukten, Pestiziden, Möbeln etc.) vorhanden. Es wird vermutet, dass die meisten EU-Bürger Dutzende EDCs in ihrem Körper haben.

Schutz der menschlichen Gesundheit

Neben dem Überblick über die schwerwiegende Bedrohung, die die EDCs für die Gesellschaft darstellen, macht der Bericht zahlreichen Vorschläge für Regulierungsmaßnahmen. Die EU wird nachdrücklich aufgerufen, rasch eine Reihe von Sektor übergreifenden und harmonisierten Regelungen zu entwickeln, um die Gefährdung von Menschen und Umwelt durch den Einsatz von EDCs zu minimieren.

Neben verbesserten Regulierungsmaßnahmen betont der Bericht die Bedeutung der Beschleunigung der Testentwicklung, um EDCs effektiv zu identifizieren, und fordert zusätzliche Forschung, um die vielen Wissenslücken in diesem relativ neuen wissenschaftlichen Bereich zu schließen.

Weltweite Unterstützung des Berichts durch Experten

Die Forderungen nach zusätzlicher Regulierung und Forschung auf EU-Ebene stehen im Einklang mit einer kürzlich veröffentlichten European Society of Endocrinology (ESE) Erklärung als Antwort auf die enttäuschende Mitteilung der Europäischen Kommission zu EDCs vom 7. November 2018, die nach Ansicht von ESE nicht die Ambitionen hat, die zahlreichen Herausforderungen in diesem Bereich wirksam anzugehen.

So unterstützt nicht nur die europäische Endokrinologen Gesellschaft die Forderungen des wissenschaftlichen Berichts, sondern auch die amerikanische Endocrinology Society. Die Zusage des Europäischen Parlaments, die Öffentlichkeit vor der Gefährdung durch EDCs zu schützen wurde von allen Experten begrüßt.