ENDO 2019—Neue Leitlinien für ältere Erwachsene mit DM


  • Tara Haelle
  • Conference Reports
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Erkenntnis 

  • In den neuen Leitlinien der Endocrine Society zur Behandlung von Diabetes mellitus (DM) bei Erwachsenen ab 65 Jahren wird empfohlen, die medikamentöse Behandlung zu vereinfachen und die glykämischen Zielwerte zu individualisieren, damit die Therapietreue verbessert werden kann und es weniger behandlungsbedingte Komplikationen gibt. 
  • Umstellungen des Lebensstils sind als Erstlinienbehandlung gegen Hyperglykämie bei ambulanten Patienten einzusetzen.
  • Die Einschränkung der Aufnahme von Einfachzucker wird gegenüber restriktiveren Diäten im Rahmen der Ernährungsanpassung bevorzugt.  
  • Eine gemeinschaftliche Entscheidungsfindung ist zu berücksichtigen, um Voruntersuchungen sowie das Management von Diabetes/Komorbiditäten zu individualisieren.
  • Die Leitlinien befassen sich auch mit Themen wie Neuropathie, Sturzrisiko, Probleme mit unteren Extremitäten, chronische Nierenkrankheit, Hypertonie, Hyperlipidämie und kongestive Herzinsuffizienz.

Wichtigste Aspekte

  • Alle Erwachsenen ab 65 sind auf Glukose im Plasma und/oder HbA1c in nüchternem Zustand zu untersuchen, was bei unauffälligen Ergebnissen alle zwei Jahre zu wiederholen ist.
    • Bei Komorbiditäten oder hohem Risiko ist eine mögliche Ungenauigkeit beim HbA1c-Wert zu berücksichtigen.
    • Bei Patienten, die den Kriterien für Prädiabetes entsprechen, ist der Glukosespiegel zwei Stunden nach einem oralen Glukosetoleranztest zu messen. 
  • Empfehlungen für erwachsene Diabetiker ab 65:
    • Screening auf kognitive Beeinträchtigung: alle zwei bis drei Jahre bei unauffälligem Ergebnis bzw. alle Jahre in Grenzfällen.
    • Jährlich umfassende Augenuntersuchung.
    • Jährliches Screening auf eine chronische Nierenkrankheit (falls nicht unter Dialyse) anhand der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) und des Verhältnisses zwischen Albumin und Kreatinin im Urin.
    • Jährliches Lipidprofil.
    • Häufige Überwachung des Glukosespiegels mit Kapillarblut und/oder kontinuierliche Blutzuckerüberwachung unter Insulingabe.  
  • Metformin wird zusätzlich zur Umstellung des Lebensstils als medikamentöse Erstlinienbehandlung empfohlen.
    • Bei gastrointestinaler Unverträglichkeit oder eingeschränkter Nierenfunktion (eGFR 2) ist Metformin zu meiden;
    • wenn glykämische Zielwerte mit Metformin und Umstellungen des Lebensstils nicht erreicht werden, können Insulin und/oder andere Mittel eingesetzt werden. 
  • Ziel-BD von 140/90 mmHg für Patienten im Alter von 65–85 mit Diabetes und Hypertonie; Zielwert ist je nach Komorbiditäten oder Komplexität der Erkrankung anzupassen.  
  • Glykämische Zielwerte von 100–140 mg/dl (5,55–7,77 mmol/l) auf nüchternen Magen und 140–180 mg/dl (7,77–10 mmol/l) postprandial werden für erwachsene Diabetiker in Krankenhaus- oder Pflegeheimsituationen empfohlen.