EMS: Muskeltraining unter Strom


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Der neueste Renner in deutschen Fitnessstudios ist EMS, also Elektromyostimulation. Hier werden die Muskeln während des Trainings zusätzliche mit Strom stimuliert. Der Sportler trägt einen speziellen Anzug, der den Strom in die Muskeln leitet. Ein Trainer gibt Anweisungen und reguliert die Stromintensität für die einzelnen Körperregionen über ein Kontrollpanel. Verschiedene Muskelgruppen werden für einige Sekunden gezielt angespannt und anschließend wieder entlastet. Aufgrund der intensiven Anspannung mit zusätzlicher Stromzufuhr dauert diese Form des Workouts meist nur 15 bis 20 Minuten.

Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung warnt vor dieser neuen Trainingsmethode, die definierte Körperkonturen in kürzester Zeit verspricht. Nicht korrekt angewendet könne EMS zu Schäden an Muskeln und Nieren führen. Zudem sei der Nutzen dieser angeblichen Wundermethode überhaupt nicht bewiesen.  Die Gesellschaft rät deswegen von EMS-Training im Breitensport ab. Lediglich unter der Anleitung von Physiotherapeuten und Sportmedizinern sollte diese Methode angewendet werden.

„Der geringe Aufwand ist tückisch und kann dazu verleiten, häufiger oder ausgiebiger zu trainieren als empfohlen", so Prof. Dr.  Stefan Knecht von der St. Mauritius Therapieklinik in Meerbusch. „EMS-Training sollte höchstens ein- bis maximal zweimal pro Woche absolviert werden". Ein zu intensives Krafttraining führe zu einer erhöhten Ausschüttung der Creatin-Kinase. Während des EMS-Trainings ist der Anstieg der Creatin-Kinase bis zu 18-fach höher als unter herkömmlichen Training. Diese hohen Werte führen in Einzelfällen zu Nierenschädigungen. Wer nach dem Training Schmerzen, Herzrasen oder ein Schwächegefühl verspüre, solle auf jeden Fall den Arzt aufsuchen.

„EMS-Training ist nicht geeignet, um bequem und ohne Anstrengung in Form zu kommen“, so Knecht. Zudem sei der Trainingseffekt nicht bewiesen.