EMA gibt grünes Licht für Avapritinib bei GIST und Acalabrutinib bei CLL

  • European Medicines Agency
  • 24.08.2020

  • Studien – kurz & knapp
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Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat zwei neuen Onkologie-Wirkstoffen das OK gegeben. 

Der Ausschuss empfahl die Erteilung einer bedingten Marktzulassung für Avapritinib (Ayvakit, Blueprint Medicines) für die Anwendung bei Erwachsenen mit nicht-resezierbarem oder metastasierendem gastrointestinalem Stromatumor (GIST) mit einer Mutation im Exon 18 des Platelet-derived Growth Factor-Rezeptors Alpha (PDGFRA), einschließlich D842V-Mutation im PDGFRA. Etwa 6 %–10 % der GIST-Tumoren weisen diese Mutation auf, und Avapritinib ist ein selektiver und wirkungsvoller Inhibitor von mutierten KIT- und PDGFRA-Kinasen.

Der EMA-Ausschuss gab ferner ein positives Gutachten für Acalabrutinib (Calquence, AstraZeneca) zur Behandlung von chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) als Monotherapie bei Patienten ab, die nicht vorbehandelt sind oder mindestens eine vorausgegangene Therapie erhalten haben.

Die erste gezielte Therapie bei Mutationen

Avapritinib wurde Anfang diesen Jahres von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) für dieselbe Indikation zugelassen. Die FDA-Zulassung erfolgte auf Grundlage der Ergebnisse der klinischen Phase-I-Studie NAVIGATOR mit 43 Patienten mit GIST, die eine Mutation im PDGFRA-Exon 18 aufwiesen, einschließlich 38 Patienten mit der häufigsten Mutation PDGFRA D842V.

Bei Patienten mit einer Mutation im PDGFRA-Exon 18 lag die Gesamtansprechrate (ORR) bei 84 %, von denen 7 % eine vollständige Remission und 77 % eine partielle Remission erzielten. Patienten mit der PDGFRA D842V-Mutation erreichten eine ORR von 89 %, davon 8 % eine vollständige Remission und 82 % eine partielle Remission.

„GIST mit einer Mutation im PDGFRA-Exon 18 sprechen nicht auf Standardtherapien an ... die heutige Zulassung stellt Patienten das erste Arzneimittel bereit, das speziell für GIST mit dieser Mutation zugelassen ist“, sagte Richard Pazdur, MD, Direktor des onkologischen Kompetenzzentrums der FDA, in einer Erklärung zum Zeitpunkt der Zulassung.

Die häufigsten Nebenwirkungen (≥ 20 % der Patienten) unter Behandlung mit Avapritinib waren Übelkeit, Ermüdung, Anämie, periorbitales Ödem, Gesichtsödem, Hyperbilirubinämie, Durchfall, Erbrechen, peripheres Ödem, verstärkte Tränensekretion, Appetitmangel und eingeschränktes Erinnerungsvermögen. Außerdem besteht gegebenenfalls ein Risiko für eine intrakranielle Blutung. In diesem Fall sollte die Dosis reduziert oder das Medikament abgesetzt werden.

Eine bedingte Marktzulassung wird in der EU einem Arzneimittel gewährt, das einen offenen medizinischen Bedarf deckt, wenn der Nutzen einer unmittelbaren Verfügbarkeit für die öffentliche Gesundheit gegenüber dem Risiko aufgrund der noch lückenhaften Daten überwiegt, merkt die CHMP auf ihrer Webseite an. 

Avapritinib hatte während der Entwicklung den Status als Orphan-Arzneimittel erhalten, den die EMA nun überprüfen wird, um festzustellen, ob er beibehalten werden kann.

Neue Behandlung für CLL

Acalabrutinib ist in den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien bereits für die Behandlung von CLL und kleinzelligem lymphozytischem Lymphom zugelassen. Die Zulassung des Produkts von allen drei Aufsichtsbehörden erfolgte letztes Jahr zum selben Zeitpunkt.  

In den Vereinigten Staaten war Acalabrutinib zuvor für die Anwendung bei Mantelzell-Lymphom zugelassen worden.

Der Nutzen des Medikaments bei der Behandlung von CLL wurde in der ASCEND-Studie gezeigt. In dieser Studie wählte der Arzt für den Vergleich mit Acalabrutinib entweder Idelalisib oder Bendamustin plus Rituximab. Die Studie mit 310 Patienten mit rezidivierter/refraktärer CLL ergab, dass Acalabrutinib als Monotherapie eine signifikant verbesserte Verträglichkeit aufwies sowie ein signifikant verbessertes progressionsfreies Überleben erzielte als die Standardbehandlungen.

„Die ASCEND-Studie zeigte, dass Acalabrutinib im Vergleich zu den Standardkombinationstherapien, darunter chemofreie Optionen wie Idelalisib plus Rituximab, eine effektivere und verträglichere Behandlungsmöglichkeit für Patienten mit rezidivierter/refraktärer CLL bieten kann“, äußerte der Hauptautor Paolo Ghia, MD, Professor für medizinische Onkologie an der Universität Vita-Salute San Raffaele, Mailand, Italien, gegenüber Medscape Medical News, als die Ergebnisse erstmals veröffentlicht wurden.

Die am häufigsten berichteten unerwünschten Ereignisse, die mit Acalabrutinib beobachtet wurden, waren Infektionen der Atemwege, Kopfschmerzen, Blutergüsse, Kontusion, Durchfall, Übelkeit, Ausschlag, Schmerzen im Bewegungsapparat, Ermüdung, erniedrigte Hämoglobinwerte und verringerte Blutplättchen.

Detaillierte Empfehlungen für die Anwendung des Präparats werden in der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels beschrieben werden, die im Europäischen Öffentlichen Beurteilungsbericht (EPAR) veröffentlicht und nach der Erteilung der Marktzulassung durch die Europäische Kommission in allen offiziellen Sprachen der Europäischen Union verfügbar sein wird.

Der Artikel wurde ursprünglich auf Medscape.com veröffentlicht..