Elektro-Tretroller: Verletzungsrisiko wird womöglich unterschätzt


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Fortbewegung mit einem Elektro-Tretroller ist - erwartungsgemäß - nicht ganz ungefährlich. Die häufigsten Verletzungen sind Kopfverletzungen und Frakturen. Helme, die schützen könnten, sind offenbar unbeliebt. Viele, die solche Elektro-Tretroller nutzen, verzichten auf einen solchen Kopfschutz. 

Hintergrund

Elektro-Tretroller sind schon seit einigen Jahren auf dem Markt erhältlich. Mit leistungsstarken Akkus ermöglichen sie es, relativ rasch und fast mühelos voranzukommen. In den USA gibt es längst einen regelrechten E-Scooter-Boom. In Deutschland sind solche E-Tretroller und andere Elektrokleinstfahrzeuge noch verboten. Die für Anfang 2019 geplante Zulassung verzögere sich, so kürzlich die „Tagesschau“ unter Berufung auf Mitteilungen des Verkehrsministeriums. Aber schon im Frühjahr oder Sommer könnten angeblich Elektro-Tretroller bereitstehen. Wenig sei über Verletzungen bekannt, zu denen es im Zusammenhang mit Kollisionen und Stürzen von Nutzern dieser Fortbewegungsmittel kommen könne, schreiben die Autoren der vorliegenden Studie.

Design

Ausgewertet wurden Daten von 249 Patienten, die sich innerhalb eines Jahres wegen Verletzungen im Zusammenhang mit Elektrorollern in zwei städtischen Notfallambulanzen in den USA (Südkalifornien) vorgestellt hatten. 

Hauptergebnisse 

  • Rund 58 Prozent der Patienten waren Männer, das Durchschnittsalter betrug knapp 34 Jahre. Die Mehrheit (fast 92 Prozent) erlitten ihre Verletzungen als Fahrer eines Elektrorollers. 
  • Häufigster Unfallmechanismus war ein Sturz (80, 2%, 183 Fahrer).
  • Knapp elf Prozent der Patienten (n = 27) waren noch keine 18 Jahre alt. 
  • Nicht einmal fünf Prozent (4,4%) gaben an, einen Helm getragen zu haben.
  • Knapp fünf Prozent hatten eine nachgewiesene Intoxikation oder einen Alkohol-Spiegel von über 0,05%.
  • Die häufigsten Verletzungen waren Kopfverletzungen (40,2%), Frakturen (31,7%) der oberen sowie unteren Extremitäten und des Gesichts, außerdem Weichteilverletzungen (27,7%). Ein Patient hatte eine Wirbelsäulenverletzung.
  • Fast alle Patienten (94 %) konnten aus der Notfallambulanz entlassen werden; von den anderen 15 Patienten hatten zwei schwere Verletzungen (traumatische SAB und subdurales Hämatom) und mussten intensivmedizinisch behandelt werden.

Klinische Bedeutung

Die Autoren weisen unter anderem darauf hin, dass Verletzungen im Zusammenhang mit Elektro-Tretrollern häufig sind und dass ein recht großer Anteil der Patienten der vorliegenden Studie noch keine 18 Jahre alt war; zudem trugen die meisten keinen Helm. Viele unterschätzten demnach die Gefahren. Da viele der Unfälle durch Fehlverhalten im Straßenverkehr bedingt waren, sprechen die Daten zumindest für Aufklärungskampagnen und vielleicht auch für relativ strenge Vorschriften (etwa grundsätzliche Helmpflicht etc.). 

Finanzierung: UCLA National Clinician Scholars Program, David Geffen School of Medicine at UCLA. Korein Foundation.