Einzeldosis des neuartigen Grippemedikaments Baloxavir schwächt Influenzainfektionen rasch ab

  • Lancet Infect Dis

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit Asthma, chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Frauen in der Schwangerschaft haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe einer Influenza, wenn sie Symptome haben. Das neuartige Grippemedikament Baloxavir Marboxil schwächt die Symptome deutlich schneller ab als Placebo und vergleichbar wie Oseltamivir. Im Unterschied zur Einnahme des Neuraminidasehemmers ist für diesen Effekt nur eine Einmaldosis von Baloxavir notwendig.

Hintergrund
Die saisonale Influenza verläuft sehr unterschiedlich: Komplikationen und tödliche Verläufe können in einer Saison vergleichsweise selten, und in der darauffolgenden häufig sein. Ein Beispiel ist das Jahr 2017/18. Die Wintersaison war weltweit schwerer als viele frühere, es gab 45 Millionen laborbestätigte Influenzainfektionen. In Deutschland dokumentierte das Robert Koch-Institut 2017/18 circa 334.000 laborbestätigte Influenzafälle und 25.100 tödliche Verläufe. Die darauffolgende Grippesaison 2018/19 dagegen verlief mild. Für Risikogruppen wird nach Medikamenten gesucht, die sie vor schweren Verläufen schützen. Ein Kandidat ist Baloxavir Marboxil, erster Vertreter einer neuen Klasse antiviraler Substanzen. Das Medikament hemmt die CAP-abhängige Endonuklease PA und interferiert dadurch früh mit dem Replikationszyklus des Virus.

Design

  • CAPSTONE-2: multizentrische, prospektiv-randomisierte, doppelblinde Phase-3-Studie
  • teilnehmende Zentren: 551 in 17 Ländern inklusive Deutschland
  • teilnehmende Patienten: 2184 ab 12 Jahren mit typischen Beschwerden einer unkomplizierten Influenza (Sinusitis, Bronchitis, Übelkeit, Körpertemperatur ≥ 38,0 °C), aber hohem Risiko für Grippekomplikationen, zum Beispiel durch Asthma, Diabetes, chronische Lungen-, Herz- oder Lebererkrankungen, Schwangerschaft oder erhöhtes Alter (> 65 Jahre)
  • Randomisierung in 3 Gruppen:
    • Einzeldosis von 40 mg Baloxavir Marboxil bei einem Körpergewicht (KG)
    • 75 mg des Neuraminidasehemmers Oseltamivir 2 Mal täglich für 5 Tage oder
    • Placebo

Primärer Endpunkt: Wirksamkeit einer Einzeldosis von Baloxavir Marboxil, verglichen mit Placebo und Oseltamivir, durch Messung der Zeit bis zur Besserung der Grippesymptome (Time to Improvement of Influenza Symptoms; TTIIS).

Hauptergebnisse

2.184 Patienten wurden aufgenommen in die Studie und die Daten von 1.163 Patienten sind in die modifizierte Intention-to-Treat-Analyse (ITT) eingegangen (n = 388 Baloxavir; n = 386 Placebo, n = 389 Oseltamivir). 48 % der Intention-to-Treat-Population (n = 557) waren mit Influenza A H3N2 infiziert, 42 % (n = 484) mit Influenza B, 7 % (n = 80) hatten Influenza A H1N1 und die übrigen gemischte oder nicht näher identifizierte Influenzan-Subtypen. Die mediane TTIIS war mit 73,2 Stunden signifikant kürzer als unter Placebo (102,3 Stunden) und auch kürzer als unter Oseltamivir (median 81,0 Stunden). Die Häufigkeit unerwünschter Effekte unterschied sich dagegen in den 3 Behandlungsgruppen nicht signifikant (25 % Baloxavir, 30 % Placebo, 28 % Oseltamivir). Schwere Nebenwirkungen waren insgesamt sehr selten und bei Baloxavir-Therapie nicht häufiger als in den anderen Gruppen.

Klinische Bedeutung
Die einmalige, gewichtsadaptierte Einnahme von Baloxavir Marboxil bei Patienten mit unkomplizierter, akuter Influenza und erhöhtem Risiko für schwere Verläufe der Infektionen führt rascher zum Abklingen der Symptome als Placebo und zu einer schnelleren Beendigung der Virusausscheidung. Baloxavir marboxil ist vergleichbar wirksam wie Oseltamivir, es wird aber nur ein Mal eingenommen. Eine besondere Bedeutung wird solch effektiven Grippemedikamenten im Hinblick auf den Schutz von Risikopersonen in der kommenden Wintersaison beigemessen, Dann werden vermutlich erstmals COVID-19-Erkrankungen und Influenza gemeinsam auftreten.

Finanzierung: Firma Shionogi.