Einfacher Test für das Dysphagie-Screening bei alten Menschen vorgestellt

  • Deutsche Gesellschaft für Geriatrie

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Einen einfachen Test auf Schluckstörungen bei alten Menschen haben Geriater der Arbeitsgemeinschaft Dysphagie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) entwickelt. Ziel ist es, mit dem Dysphagie Screening Tool Geriatrie (DSTG)  Schluckstörungen bei sehr alten Menschen in Kliniken, Arztpraxen sowie ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen deutlich schneller und häufiger als bisher zu erkennen und durch weitere Tests dann zu verifizieren.  „Wir haben mit einem einseitigen Durchführungsbogen einen sehr praktikablen Schluckstörungstest, gut einsetzbar für geschultes Personal wie z. B. Arzthelferinnen, Pflegekräfte oder Ärzte, entwickelt“, so Dr. Martin Jäger, Leiter der AG Dysphagie und ärztlicher Direktor Geriatrie am Hüttenhospital Dortmund, in einer Mitteilung der DGG

Ein häufiges Problem bei alten Menschen

Die Früherkennung von Schluckstörungen ist bei alten Menschen besonders wichtig, da sie stark gefährdet sind, sich zu verschlucken, in der Folge zu ersticken oder auch eine Lungenentzündung zu entwickeln: Zudem ist das Risiko für eine Mangelernährung mit der Folge lebensbedrohlicher Gebrechlichkeit erhöht. Jäger: „Ich möchte deshalb alle Kollegen aufrufen: Nutzt ab sofort das DSTG bei euren geriatrischen Patienten. Es kann Leben retten!“

In der Allgemeinbevölkerung liegt die Prävalenz von Schluckstörungen nach Angaben in der Literatur bei bis zu 16 Prozent. Häufige Dysphagie-Ursachen sind neurologische Erkrankungen, darunter Schlaganfall, Morbus Parkinson und Amyotrophe Lateralsklerose. Auch Tumoren sind als mögliche Ursache zu erwägen. 

Bei unabhängig lebenden alten Menschen werden laut DDG Prävalenzen von bis zu 33 Prozent angegeben; noch häufiger seien Schluckstörungen bei Pflegeheim-Bewohnern (mehr als 50 Prozent), und bei Patienten in geriatrischen Kliniken (bis zu 70 Prozent).  Mögliche Symptome von Schluckstörungen sind zum Beispiel Räuspern, Husten und Atemnot während und nach dem Essen, Herauslaufen von Speichel oder Speisebrei aus dem Mund und Austreten von Speise oder Flüssigkeiten aus der Nase.

Einfach und nützlich

Der nun vorgestellte Test ist nach Angaben der Fachgesellschaft einfach durchzuführen. Ist der Patient in der Lage zu sitzen und ausreichend wach, ist der erste Schritt des Screenings bereits durchlaufen. Dann sollte geklärt werden, ob sich die Zunge des Patienten frei bewegen lässt, keine auffälligen Beläge oder Nahrungsreste im Mund zu finden sind und der Patient spontan husten kann. 

Der dritte Schritt ist dann entscheidend: Der Patient bekommt zwei Mal hintereinander einen Teelöffel mit Wasser angereicht. Es folgt zwei Mal ein Schluck Wasser aus einem normalen Wasserglas. Muss der Patient räuspern oder husten? Ist eine Stimmveränderung bemerkbar? Falls nur eine dieser Fragen mit „Ja!“ beantwortet wird, liegt mit bis zu fünf Mal so hoher Wahrscheinlichkeit eine Dysphagie vor. 

Den Nutzen des Tests betont auch Professor Dr. Ulrich Thiem, Chefarzt der Geriatrie sowie Inhaber der Stiftungsprofessor für Geriatrie und Gerontologie an der Universität Hamburg. Er hat die Daten der AG Dysphagie der DGG ausgewertet, nachdem das Screening Tool in eine erste Evaluierungsphase in den vergangenen 18 Monaten ging. „Das Tool funktioniert gut! Es gibt kein anderes für geriatrische Patienten. Deshalb sollte es jetzt unbedingt zum Einsatz kommen“, wird Thiem in der Mitteilung der Fachgesellschaft zitiert.

Der Fragebogen mit Handlungsanweisung sowie vier Seiten Schulungsunterlagen für die Anwendung des Tests können auf der Website der DGG heruntergeladen werden; sie stehen jedem zur Nutzung und Weitergabe frei zur Verfügung.