Einfacher Stehtrainer kann die Motorik schwer behinderter MS-Patienten verbessern

  • Lancet Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Gebrauch eines einfachen Stehtrainers 3 Mal pro Woche kann die Motorik von Patienten mit progredienter Multipler Sklerose (MS) verbessern. Nach 36 Wochen wurde die vorab definierte Schwelle zur klinischen Bedeutsamkeit aber verfehlt.

Hintergrund

Patienten, die durch eine progrediente Multiple Sklerose schwer beeinträchtigt sind, verbringen einen Großteil des Tages sitzend. Um sekundäre physische wie psychosoziale Komplikationen zu verhindern, könnten spezielle Assistenzsysteme hilfreich sein, die das Stehen und die Balance trainieren und von den Patienten eigenständig bedient werden können.

Design

Die randomisierte, kontrollierte Studie „Standing up in Multiple Sclerosis“ (SUMS) wurde an 8 Zentren in Großbritannien durchgeführt. Sie hatte das Ziel, unter Praxisbedingungen zu prüfen, ob ein spezifischer Stehtrainer die motorischen Funktionen von Patienten mit progredienter MS und schweren Behinderungen (EDSS 6,5 – 8,0) besser erhalten kann als die Standardversorgung. Dazu wurden die Patienten in der Interventionsgruppe in 2 Sitzungen á 60 Minuten daheim von einem Physiotherapeuten im Umgang mit dem Gerät geschult und erhielten zur Unterstützungen danach noch 6 Telefonate á 15 Minuten. Die Patienten wurden gebeten, über einen Zeitraum von 20 Wochen 3 Mal / Woche jeweils 30 Minuten in dem Gerät zu stehen, und ermutigt, diese Übungen auch danach fortzusetzen.

Ergebnisse

Bei 122 von 140 randomisierten Patenten konnte nach 36 Wochen das primäre Studienziel bewertet werden. Primäres Studienziel waren die motorischen Funktionen. Gemessen wurden diese mit dem Amended Motor Club Assesment.

  • Der Gebrauch des Stehtrainers war mit einem um 4,7 Punkte höheren AMCA-Wert assoziiert (95%-Konfidenzintervall 1,9 – 7,5; p = 0,0014). Die vorab als klinisch bedeutsame Schwelle von 9 Punkten Unterschied wurde allerdings verfehlt.
  • Trainierende Patienten berichteten 1188 Nebenwirkungen, 41 % davon betrafen Schmerzen des Bewegungsapparates. In der Kontrollgruppe waren es 736 Nebenwirkungen, davon 22 % Schmerzen des Bewegungsapparates.
  • Berechnet wurden auch die Qualitäts-adjustierten Lebensjahre (QALY), bei denen trainierende Patienten einen Vorteil von 0,018 (95%-KI – 0,014 bis 0,051) hatten. Daraus wurden inkrementelle Kosten von umgerechnet etwa 16.000 Euro je zusätzlichem QUALY abgeleitet.

Klinische Bedeutung

Die Studie ergab ein signifikantes Wirksamkeitssignal für eine vergleichsweise günstige, nicht-medikamentöse Intervention für Patienten mit progredienter MS. Die Schwelle zum klinisch bedeutsamen Nutzen wurde verfehlt, und ob dieses Resultat durch eine längere Intervention oder eine Modifikation des Training verbessert werden könnte, ist ohne weitere Studien nicht zu klären. Dennoch, so hoffen die Autoren könne diese Intervention nun einem größeren Teil der Patienten angeboten und auch erstattet werden.

Finanzierung: UK National Institute of Health Research.