Einfache Formel, hohe Aussagekraft: Risikoberechnung für Nierenversagen bei Kindern validiert


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Für Erwachsene mit chronischer Niereninsuffizienz ist 2016 eine multinationale Studie unter Beteiligung deutscher Forscher publiziert worden, in der geprüft wurde, wie zuverlässig sich das Risiko für einen Progress zum terminalen Nierenversagen innerhalb von 5 Jahren mit Hilfe der KFRE-Formel (Kidney Failure Risk Equation) abschätzen lässt (1). Die KFRE berücksichtigt 4 Faktoren: Geschlecht, Alter, geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) und die Urinalbumin/Kreatinin-Ratio. Die KFRE erwies sich als sehr zuverlässig für die Prädiktion. Nun ist sie erstmals in einer großen pädiatrischen Kohorte validiert worden (2).

Kernbotschaften

Die KFRE, bestehend aus 2 nephrologischen Parametern und Alter und Geschlecht der Patienten, ermöglicht auch bei Kindern mit chronischer Niereninsuffizienz, das Risiko, innerhalb von 5 Jahren dialysepflichtig zu werden, zuverlässig abzuschätzen. Die Berechnung des Risikos ist auch für Ärzte, die keine Pädiater oder Nephrologen sind, über eine Website möglich (3).

Hauptergebnisse

Eingeschlossen wurden Kinder mit chronischer Niereninsuffizienz und einer eGFR < 60 mL/min/1,73 m². Der primäre Endpunkt war die Zeit bis zum terminalen Nierenversagen: Es wurde Dialyse oder Organtransplantation erforderlich. 23,9 % der Teilnehmer erreichten innerhalb von 5 Jahren den primären Endpunkt. Die KFRE hatte für die Zeiträume 1 bis 2 Jahre die höchste Zuverlässigkeit bei der Vorhersage (90 % und 86 %). Aber auch für einen Zeitraum von 5 Jahren ließ sich noch mit einer Genauigkeit von 81 % zwischen Kindern unterscheiden, bei denen die Nieren komplett versagen würden, und solchen, die ohne neue Niere oder Dialyse auskommen würden.

Design

  • Retrospektive Kohortenanalyse mit 603 Patienten,
  • Einschlusskriterien: eGFR < 60 mL/min/1,73 m²; Alter: 1-16 Jahre (median zu Beginn der Studie: 12 Jahre)
  • Geschlecht: 62,7 % männlich
  • Beobachtungszeitraum: median 3,8 Jahre

Klinische Bedeutung

Ein terminales Nierenversagen im Kindesalter bedeutet große Belastungen für Patienten und ihre Familien. Eine Langzeitdialyse erhöht das Risiko für Wachstums- und Entwicklungsverzögerungen. Werden rechtzeitig jene Kinder erkannt, die ein hohes Risiko für den Progress in ein terminales Nierenversagen haben, lassen sich nephroprotektive Maßnahmen optimieren oder Dialyse oder Transplantation einer Niere vorbereiten. Auch die Möglichkeit, eine präemptive Transplantation von einem Lebendspender vor Dialysepflichtigkeit zu evaluieren – das ist die beste Vorsorgung für die Patienten - bedarf eines zeitlichen Vorlaufs. Dass sich die KFRE-Formel auch für Kinder eignet und von jedem Arzt angewendet werden kann, wird als sehr praxisrelevant bewertet.