Eine verminderte Thymus-Funktion sagt eine schwache Immunreaktion auf eine antiretrovirale Therapie voraus


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Kernbotschaften

  • Bei Patienten mit adäquater Immunreaktion (AIR) wurde während einer antiretroviralen Therapie (ART) eine bessere Thymus-Funktion festgestellt als bei Patienten mit schlechter bzw. unzureichender Immunreaktion (SIR).
  • Frühe Veränderungen bei der immunologischen Erholung wurden als Anzeichen einer SIR nach 36 Therapie-Monaten identifiziert.
  • Diese Studie kann womöglich dazu beitragen, jene Patienten zu identifizieren, die von einer engmaschigeren Verlaufsbeobachtung profitieren, oder, in der Zukunft, von Strategien zur Stärkung der Thymus-Funktion.

Bei HIV-positiven, schwer lymphopenischen Patienten ist die Produktion neuer T-Zellen durch den Thymus für die immunologische Erholung während der ART besonders relevant. Bei HIV-Patienten mit AIR werden CD4-Zellzahlen erreicht, die denen von gesunden Erwachsenen entsprechen (500-1500 Zellen/μl); diese Zahlen bleiben bei SIR-Patienten, die höhere Morbiditäts- und Mortalitätsraten haben, jedoch anhaltend niedrig.

Die Autoren nahmen 33 über 18-jährige, chronisch HIV-Infizierte auf, deren CD4-Zellzahl zu Beginn der ART unter 200/μl lag, und bei denen die Dauer der Verlaufsbeobachtung mindestens 36 Monate betrug (mediane Zeit der 60 Monate). Die Patienten wurden aus einer prospektiven Kohorte von Patienten ausgewählt, die im Centro Hospitalar do Porto (Portugal) medizinisch betreut wurden.

Basierend auf einer nachträglichen Analyse der Verläufe der CD4-Zellzahlen wurden zwei Gruppen gebildet: Zur Gruppe AIR (n = 14) gehörten Patienten, bei denen die Zahl der CD4-Zellen wenigstens einmal oberhalb von 500 Zellen/μl während der ersten 36 Monate der antiretroviralen Therapie lag; zur SIR-Gruppe zählten alle anderen Patienten (n = 19).

Die Gruppe AIR zeigte:

  • eine signifikante Zunahme des Thymusvolumens während der 12-monatigen ART; in der Gruppe SIR nahm das Volumen hingegen nicht zu ( 6,47 ±4,59 cm3 vs. 1,43 ±4,89 cm3)
  • eine signifikante Zunahme von sj-TRECS (signal joint T-cell receptor excision circles) pro Milliliter Blut und der sj/β TREC-Ratio nach 24 Monaten
  • höhere Absolut-  und Prozentwerte von RTEs ( recent thymic emigrants; CD31+CD45RA+CD4+ T-Zellen, eine Subgruppe von naiven  CD4+T-Zellen mit hohem TREC-Inhalt) nach 12, 24 und 36 Monaten.

Die Autoren fokussierten sich auf Parameter zu Beginn der ART sowie nach 2 und sechs Monaten, um Patienten mit SIR so früh wie möglich zu identifizieren. Die entwickelten vier mathematischen Multivarianzmodelle hatten eine hohe Sensitivität und Spezifität und konnten das SIR/AIR-Resultat nach 36 Monaten Therapie in 77 bis 87 Prozent der Fälle korrekt vorhersagen.

LimitierungenDie Befunde wurden bei einer relativ kleinen Zahl von Patienten eines einzigen Krankenhauses erhoben.